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Ist das Arbeiten im Homeoffice oder Büro besser? Die Mischung machts, finden Mitarbeitende und Unternehmen. Letztere können sich laut einer neuen Umfrage vorstellen, ihren Beschäftigten mindestens ein Mal wöchentlich das mobile Arbeiten zu ermöglichen.

Etwa anderthalb Jahre sitzen viele Beschäftigte – da, wo es möglich ist – wegen der Coronavirus-Pandemie im Homeoffice. Seit dem 1. Juli 2021 steht es Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber frei, ob sie ihren Mitarbeitenden das Arbeiten von zu Hause ermöglichen oder sie im Büro haben möchten – die Homeoffice-Pflicht ist entfallen.

Auch nach der Corona-Pandemie soll das mobile Arbeiten beim Großteil der Unternehmen aus der Informationstechnik bleiben. Zu dem Ergebnis kommt eine Umfrage des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim (ZEW).

Homeoffice mindestens einmal wöchentlich

74 Prozent der insgesamt rund 1000 befragten Unternehmen möchten ihren Mitarbeitenden mindestens einmal in der Woche das Arbeiten von zu Hause anbieten. Unter den befragten Unternehmen waren IT-Dienstleister, Verlage, andere Medien-Unternehmen, Werbeagenturen und auch Steuerkanzleien, also Berufsgruppen, bei denen die Arbeit vor allem über den Computer läuft.

Vor der Corona-Pandemie war das Homeoffice bei ungefähr der Hälfte der Unternehmen ein Mal wöchentlich für Beschäftigte möglich. Im Juni 2020 konnten sich 64 Prozent der Arbeitgeber vorstellen, auch nach Corona auf das Arbeiten von zu Hause zu setzen, ein Jahr später sind es zehn Prozent mehr.

Das Homeoffice-Konzept geht offenbar auch für den Vertrieb auf. Für eine bislang unveröffentlichte Studie haben Forschende der Ruhr-Universität Bochum über 770 Betriebe danach befragt, inwiefern ihre Vertriebsziele eingehalten wurden.

Die Unternehmen gaben insgesamt an, dass sie in 2020 ihre Ziele zu 97 Prozent erreichen konnten, obwohl ihre Mitarbeitenden zeitweise nicht wie üblich bei ihren Kunden vor Ort sein konnten. In dieser Zeit haben sie per Videokonferenz mit den Kunden gesprochen – was anscheinend funktioniert hat.

Das Homeoffice scheint zu bleiben

Die Umfrage des ZEW zeigt auch, dass der Großteil der Arbeitgebenden findet, ihre Mitarbeitenden sind im Homeoffice ähnlich produktiv wie im Büro und die Qualität ihrer Arbeit leidet nicht darunter. Das widerspricht dem "Proximity Bias", also dem Denkmuster einiger Arbeitgebenden, ihre Mitarbeitenden würden bessere Arbeitskräfte sein, wenn sie näher an ihren Vorgesetzten oder ihrem Team arbeiten. Es ist eine unbewusst kognitive Verzerrung, die auf Stereotype oder tief verankerten Denkmustern basiert.

Ein Modell aus halb und halb

Vielmehr können sich viele Arbeitnehmenden vorstellen, in Zukunft auf eine Mischform aus Büro und Homeoffice zu setzen. Das zeigt unter anderen eine Befragung des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

Von 1000 Arbeitnehmenden haben sich 81 Prozent der Befragten für eine Kombi ausgesprochen. 38 Prozent von ihnen fanden etwa drei bis vier Bürotage gut. 7 Prozent würden ganz auf das mobile Arbeiten setzen. Dem stehen 19 Prozent der Befragten entgegenstehen, die zukünftig komplett auf das Homeoffice verzichten möchten.

"Die meisten kommen im Homeoffice ganz gut klar und nur wenige wollen eine komplette Rückkehr ins Büro."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova