Homosexuelle wurde lange Zeit in der Bundeswehr diskriminiert. Damit beschäftigt sich eine neue Studie. Aber wie sieht es heute aus? Wir haben mit Sven Bähring darüber gesprochen. Er ist Leutnant und Vorsitzender des Vereins QueerBw, der die Interessen von Homosexuellen und Transmenschen in der Bundeswehr vertritt.

Bis ins Jahr 2000 wurden Homosexuelle in der Bundeswehr systematisch diskriminiert. Männer wurden zum Beispiel nicht befördert oder früh in den Ruhestand versetzt. Viele der Betroffenen leiden darunter noch heute. Das alles steht in einer neuen Studie, die Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) jetzt in Berlin vorgestellt hat. "Zwischen Tabu und Toleranz" heißt das über 360 Seiten lange Papier.

Ann Sandmeyer, Deutschlandfunk Nova
"Homosexuelle heißt in diesem Fall schwule Männer. Denn erst seit 2001 dürfen Frauen wirklich beim Bund dienen. Für die Studie haben die Forschenden mit Betroffenen gesprochen und interne Papiere des Verteidigungsministeriums und von Truppendienstgerichten ausgewertet."

Sven Bähring ist 25 Jahre alt, schwul und sagt, insgesamt arbeite er sehr gerne für die Bundeswehr. Allerdings sei das eine Organisation mit über 260.000 Mitarbeitenden und da gebe es auch heute immer mal wieder Personen, die sich im Umgang mit Homosexuellen schwer tun, sagt er.

"Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich mich in der Bundeswehr sehr wohl fühle und viele positive Erfahrungen gesammelt habe."
Sven Bähring, Leutnant bei der Bundeswehr und Vorsitzender des Vereins QueerBw

Sven Bähring erinnert sich an ein weniger schönes Erlebnis: Vor einigen Jahren warnte ein Kompaniefeldwebel, auch Spieß genannt, einen Kameraden, der sich mit Sven eine Stube teilen sollte. Der Spieß informierte den anderen Soldaten, dass er zwei schlechte Nachrichten für ihn habe: Erstens bekomme er einen Mitbewohner und zweitens sei dieser auch noch schwul. Für Sven war es damals nicht leicht gewesen eine Unterkunft zu finden und außerdem war er zu dieser Zeit noch nicht offen mit seiner Homosexualität umgegangen.

"Die sexuelle Orientierung spielt im Dienst keine Rolle. Vor allem aber ist es die eigene Entscheidung, wann und wie man es jemandem sagen möchte."
Sven Bähring, Leutnant bei der Bundeswehr und Vorsitzender des Vereins QueerBw

Es gibt einen alten Spruch in der Bundeswehr: "81 Zentimeter sind Fahnenflucht und 79 Zentimeter sind schwul." Sven Bähring erklärt die Bedeutung: Der Spruch spiele damit, dass die Bundeswehr viel Wert auf Genauigkeit lege, etwa auf den Abstand beim Marschieren in Formation.

"Das ist ein alter Spruch, den man aber auch heute noch manchmal zu hören bekommt, der mahnt, die richtigen Abstände einzuhalten und der dabei einen ziemlich unterklassigen Vergleich zur Homosexualität zieht."
Sven Bähring, Leutnant bei der Bundeswehr und Vorsitzender des Vereins QueerBw

Sven Bähring sagt, das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) sei dafür verantwortlich, welches Bild die Bundeswehr nach außen trage. "Das BMVG muss zeigen, dass die Bundeswehr ein offener Arbeitgeber ist, der nicht männlich, weiß und heterosexuell ist, sondern dass Frauen, Homosexuelle und Menschen mit Migrationshintergrund genauso selbstbewußt in unseren Streitkräften dienen."

Vor 20 Jahren noch war Homosexualität ein Ausmusterungsgrund

Sven Bähring findet, dass sich in den vergangenen 20 Jahren viel getan hat. Damals war Homosexualität noch ein Ausschlusskriterium bei der Musterung. Vor drei Jahren war Ursula von der Leyen die erste Person aus den Führungsriegen der Bundeswehr, die mit einem Workshop auf die Rechte von queeren Menschen in der Truppe aufmerksam gemacht.

Aber auch wenn sich einiges zum Positiven verändert habe, Handlungsbedarf gebe es weiterhin. Da unter den vielen Beschäftigten bei der Bundeswehr immer noch Menschen seien, die dem Thema Homosexualität nicht offen gegenüberstünden, müsse es eine verpflichtende Ausbildung geben, um die Mitarbeitenden für das Thema zu sensibilisieren.