Gerne erklären Männer ihr Verhalten - also jenes, das Rumgebrülle, Kraftmeierei und Machogehabe meint - durch ihren hohen Testosteronspiegel. Diese Ausrede zieht nicht mehr.

Testosteron haben Frauen und Männer. Doch Männer haben sehr viel mehr von diesem Sexualhormon. Man weiß, dass Testosteron zum Beispiel die Körperhaare sprießen lässt und beim Muskelaufbau eine Rolle spielt. Studien zeigen aber auch, dass sich Testosteron auf unser Sozialverhalten auswirkt. Bislang galt da der Zusammenhang - viel Testosteron, viel Aggression. So zeigten Studien zum Beispiel, dass Gefängnisinsassen mit höherem Testosteronlevel schwerere Verbrechen begangen hatten.

Ist wirklich der Testosteronspiegel verantwortlich?

Solche Studien hält Bernd Weber, Neuroökonom an der Universität Bonn, für schwierig. Die Studien belegten, dass es eine Wechselbeziehung zwischen dem Verhalten und dem Testosteronspiegel gibt, aber nicht, was was bewirkt. Es könnte auch sein, dass Männer einen höheren Testosteronspiegel haben, eben weil sie sich aggressiver verhalten. Es ist also die Frage nach der Henne und dem Ei - was war zuerst, das Sozialverhalten oder der Testosteronspiegel?

"Die Probanden, die Testosteron bekommen haben, haben weniger gelogen."

Weber und sein Team wollten deshalb den Zusammenhang genauer überprüfen. Sie arbeiteten mit zwei Probandengruppen: Die eine bekam ein Testosteron-Gel verabreicht, die andere nur ein Placebo. Anschließend gab es ein Lügenexperiment.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Testosteron insofern auf das Sozialverhalten auswirkt, dass Menschen stolzer, dominanter sein wollten. Dieser Wunsch nach Dominanz kann in Aggressivität umschlagen, muss aber nicht. Deshalb, so Weber, bleibt Testosteron erst einmal ein noch ein halbwegs großes Mysterium.

Schwarz-Weiß-Foto. Ein Mann blickt finster in die Kamera, mit nacktem Oberkörper. Er hält seine linke Hand vor sich mit ausgestrecktem Mittelfinger. Der Hintergrund ist schwarz.