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Die meisten Haushalte in Afghanistan haben zu wenig Lebensmittel und keinen Strom. Die internationale Gemeinschaft sucht nach Wegen, den Menschen zu helfen – möglichst, ohne die Taliban zu unterstützen.

Seit die Taliban in Afghanistan die Macht übernommen haben, hat sich für viele Menschen ihr Leben verändert. Frauen dürfen nicht mehr arbeiten, manche kaufen sich in vorauseilendem Gehorsam eine Burka, auch haben die Taliban vereinzelt Rache an Menschen geübt, die vorher für das ausländische Militär oder die Regierung Afghanistans gearbeitet haben.

Kein Strom mehr im ganzen Land?

Und jetzt kommt auch noch der Winter, in dem die Knappheit an praktisch allem noch größer werden könnte. Schon heute haben die meisten Haushalte in Afghanistan zu wenig Lebensmittel. Die Unicef spricht von "gravierender Nahrungsunsicherheit und Mangelernährung".

Der Energieexperte Alias Wardak, der acht Jahre lang im Energiesektor Afghanistans gearbeitet hat, hat im Magazin Spiegel die Befürchtung geäußert: Afghanistan ist fast komplett abhängig von Strom-Importen. Werden die Rechnungen nicht bezahlt, droht der große Blackout.

"Die Taliban sind ja keine Gruppe von Technokraten, die sich Gedanken darüber gemacht haben, wie man das Land besser regieren könnte."
Waslat Hasrat-Nazimi, Leiterin der Afghanistan-Berichterstattung bei der Deutschen Welle

Mangel an Geld ist zurzeit eines der größten Probleme in Afghanistan. "Die Wirtschaft ist einfach zusammengebrochen, seit die Taliban an der Macht sind", sagt Waslat Hasrat-Nazimi, Leiterin der Afghanistan-Berichterstattung bei der Deutschen Welle. Das wirke sich auf viele Lebensbereiche aus: Es mangele an Essen, Treibstoff und Strom. Und der Zugang zur sowieso schon spärlichen Gesundheitsversorgung sei noch schwieriger geworden.

Waslat Hasrat-Nazimi unterstellt den Taliban nicht, Menschen absichtlich verhungern lassen zu wollen. Das Problem sei vielmehr, dass sie nicht wüssten, wie man ein Land regiert. "Das sind keine Technokraten. Sie wollten einfach nur die Macht haben und hatten keinen Plan für danach."

Irgendwie mit den Taliban zusammenarbeiten

Auf einem Sondergipfel der G20-Ländern zusammen mit Institutionen wie der Weltbank soll heute (12.10.2021) beraten werden, wie den Menschen in Afghanistan geholfen werden kann – und zwar am besten direkt. Politik und Hilfsorganisationen wollen nämlich möglichst verhindern, Geld zu schicken, das am Ende teilweise oder ganz bei den Taliban landet. Waslat Hasrat-Nazimi: "Am Ende muss man aber auf jeden Fall irgendwie mit den Taliban zusammenarbeiten."

Unser Artikelbild zeigt eine Lebensmittelverteilung mit Spenden aus dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen in Kandahar am 7. Oktober 2021.