Jahrelange hat ein Team von Forschenden und Ingenieuren auf diesen Moment hingearbeitet: Das Icarus-Projekt ist gestartet. Mit kleinen autonomen, solarbetriebenen Trackern können nun Tiere mithilfe von Trackern aus dem Weltall beobachtet und verschiedenste Daten gesammelt werden.

Martin Wikelski ist der Leiter des Icarus-Projekts. Er ist überzeugt davon, dass die Daten, die in den nächsten Jahren mithilfe des Projekts gesammelt werden, die Biologie revolutionieren können. Das Besondere an diesem Projekt sei, dass die Tracker, die an die Tiere angeheftet werden, recht klein, autonom und solarbetrieben sind.

Die Tracker können an fast jedem Tier befestigt werden: Von der Amsel, über den Aal, die Fledermaus, den Steinbock bis hin zum Elefanten – überall findet der Sender Platz. Dadurch gelingt es, eine große Menge an Daten zu sammeln, aber auch sehr spezielle Daten zu erhalten.

Vitaldaten von Tieren sammeln

Martin Wikelski nennt den Sender eine Art Fitness-Armband für Wildtiere und vergleicht ihn gleichzeitig mit einem Smartphone. Denn ähnlich wie unsere Handys sendet der Tracker seine Daten an einen Satelliten-Empfänger. Immer wenn die Raumstation ISS in Reichweite kommt, werden die Daten hochgeladen. Somit können dort Daten aus der ganzen Welt gesammelt und ausgewertet werden.

"Wir können jederzeit mitverfolgen, wie es den Tieren geht, und dann haben wir natürlich die Aufgabe, sie zu schützen."
Martin Wikelski, Leiter des Icarus-Projekts

Zurzeit sammelt das Icarus-Projekt mithilfe von Drosseln und Amseln Daten über den Singvogel-Zug. Das Netzwerk reicht von Deutschland, über Russland, Eurasien bis hin nach Tibet. Damit erhofft sich der Ornithologe Daten darüber, wieso sich die Zahl der Singvögel um rund 420 Millionen, das sind etwa 20 Prozent, verringert hat.

Icarus-Projekt: Tiere helfen, den Zustand der Erde zu bestimmen

Eine der Fragen, auf die das Projekt eine Antwort sucht, ist zum Beispiel, wie Singvögel ihren Zug regeln, wenn sie im Verlauf der Jahreszeiten von Kontinent zu Kontinent fliegen. Mit den Daten möchte Martin Wikelski herausfinden, wie die Gene mit der Umwelt interagieren. Wie sehr der Verlauf ihrer Route beispielsweise genetisch geregelt ist, und wie viel sie durch Kultur oder durch ihre Vogeleltern vermittelt bekommen.

"Man kann zum Beispiel das Baumwachstum von Bäumen in Amazonien, in Südostasien oder im Kongo messen. In Gegenden, wo es kein Handy-Netz gibt. Oder den kleinen Tag auf einem Holzspieß über einem Gletscher anbringen und das Wachstum oder Schrumpfen des Gletschers messen."
Martin Wikelski, Leiter des Icarus-Projekts

Die Daten bieten nicht nur Informationen darüber, wie die Tiere mit Artgenossen und anderen Tieren interagieren und wie es um ihre Gesundheit steht. Mit den Trackern lässt sich auch feststellen, wie es der Umwelt geht. Beispielsweise in Sibirien und in der Sahara, wo es kein Handy-Netz gibt, ist es hilfreich, Daten mithilfe von einheimischen Tieren zu sammeln.

Mit Big Data Fragen beantworten

Inzwischen sind in der Datenbank zwei Milliarden Orte registriert, an denen Tiere beobachtet wurden. Mit der wachsenden Datenmenge kommen die Forschenden auf neue spannende Fragen, für die Massendaten, also Big Data, benötigt werden. Die mithilfe von Störchen gesammelten Daten geben beispielsweise Auskunft darüber, wo auf dem afrikanischen Kontinent sich gerade Heuschrecken-Schwärme befinden oder mit sogenannten "Pop-up Satellite Archival Tags" lassen sich Bewegung von Fischschwärmen dokumentieren.

Festzustellen, wie Flughunden sich bewegen, sei auch wichtig, sagt der Biologe, weil sie zwar kein Ebola verbreiten würden, aber mit dem Erreger in Kontakt kämen. Dadurch ließe sich feststellen, wo der Erreger vorkommt, wenn er auf andere Weise nicht messbar ist.

Zustand der Natur bestimmen

Nicht nur das Tierverhalten lässt sich mit den Trackern studieren, auch der Zustand von Bäumen oder Gletscher, deren Wachstum man beispielsweise messen kann. Durch die immense Datenmenge ließe sich ein genaueres Bild davon zeichnen, wie das Zusammenspiel der einzelnen Lebewesen auf dem Planeten Erde aussehe, sagt der Biologe.