Sie sind nur "die Frau von..." oder "die Tochter von...", manchmal vielleicht "die Mutter von..." Aber mit ihrem eigenen Namen werden afghanische Frauen nicht angesprochen. Die Internetkampagne #WhereIsMyName hat da jetzt was ins Rollen gebracht. 

In Afghanistan kämpfen Frauen buchstäblich um ihre Identität, denn dort werden sie nicht beim Namen genannt. Sind sie einkaufen, ruft der Marktverkäufer ihnen "Tante" hinterher, unterhalten sich Männer über ihre Ehefrauen, fallen Ausdrücke wie "mein Haushalt" oder "meine schwächere Hälfte", oder - zumindest etwas weniger degradierend - "die Mutter meiner Kinder". Warum? Viele sagen: aus Tradition.  

"Einige meinen, man dürfe aus religiösen Gründen nicht den Namen der Frau erwähnen. Dazu findet sich allerdings nichts dergleichen im Koran."
Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Silke Diettrich

Den Namen der Frau nicht zu nennen, ist kulturell in Afghanistan tief verwurzelt. Selbst Ärzte schreiben die Namen ihrer Patientinnen nicht aufs Rezept. Konservative Afghanen argumentieren, dass der Name der Mutter oder der Tochter heilig sei, es also ein Zeichen der Ehre sei, sie nicht bei ihren eigentlichen Namen zu nennen, vor allem nicht in der Öffentlichkeit. 

Social-Media-Kampagne löst gesellschaftliche Debatte aus

Im Streit unter Männern werden Frauen sogar zur Beschimpfung instrumentalisiert. Denn wenn sich Männer gegenseitig drohen, sagen sie so etwas wie: "Ich vergewaltige deine Schwester." Oder: "Ich werde deiner Mutter was antun." Furchtbare Dinge, die laut Noorjahan Akbar, eine der Aktivistinnen der Kampagne #WhereIsMyName, noch realer und beleidigender würden, wenn der echte Name verwendet würde. 

Die Social-Media-Kampagne #WhereIsMyName hat in der afghanischen Gesellschaft eine Debatte ausgelöst. 

Während andere Kampagnen nach kurzer Zeit wieder verstummen, wurde infolge von #WhereIsMyName über die Frage nach dem Recht auf Identität der Frauen in Fernseh- und Radiosendungen diskutiert, in Zeitungen wurde drüber geschrieben - sogar Politiker aus dem Parlament und Beamte haben öffentlich die Namen ihrer Frauen ausgesprochen. Was auch wiederum nicht alle gut finden. Selbst manche Frauen in Afghanistan halten es für besser, wenn ihre Namen öffentlich nicht ausgesprochen werden. 

Unsere Korrespondentin fasst es so zusammen: "Es ist zwar eine Debatte da, aber die Tradition und Rollenbilder lassen sich nicht so schnell ändern."