Sven kommt 1980 in Dresden zur Welt, er wächst in einer glücklichen Familie auf. Alles ist gut. Doch sein Vater und sein Bruder sind ganz anders als er. Erst als Erwachsener findet er die Wahrheit raus.

An seine Kindheit hat Sven nur schöne Erinnerungen: "Wir haben viel Quatsch gemacht, sind aus der Schule ausgebüchst, aus dem Kindergarten ausgebüchst, insofern ging es mir da erstmal ziemlich gut, und unsere Familie war eine sehr bilderbuchmäßig DDR-normale Familie, mit meinen Eltern, die beide feste Berufe hatten. Meine Mutter arbeitete in der Schule, mein Vater war Betriebsleiter in der Stadt - ja, wir Kinder sind dort auch so mit den Eltern aufgewachsen und haben da ganz gut gelebt."

Als Kind findet Sven das noch ganz toll: Er fühlt sich wohl, geliebt und geborgen in seiner Familie, "aber wenn ich jetzt so zurückblicke, war es manchmal schon fast zu schön, es war so dieser berühmte goldene Käfig oder dieses wohlige, warme Nest, in dem wir uns tunlichst wohlfühlen mussten und sollten."

Schon als Kind schleicht sich immer wieder dieses unerklärliche Gefühl ein, dass irgendwas in seiner Familie anders ist. Ein Gefühl, was er aber als Kind überhaupt nicht in Worte fassen kann! "Es gab immer mal wieder ein paar illustre Situationen, über die ich dann hinweggegangen bin. Also wenn wir zum Beispiel eine Familienfeier hatten, war ich immer der einzige strohblonde Junge, oder Teilnehmer in dieser ganzen Runde, und passte da überhaupt nicht rein. Das war aber für mich stinknormal, ich habe das nie hinterfragt."

Diese vielen, kleinen Situationen erzeugen bei Sven dieses diffuse Gefühl. Heute nennt er sie "kleine Leerstellen". Unstimmigkeiten, die er zwar bemerkt aber nie bewusst hinterfragt, bis viele Jahre später, als er selbst ein Kind hat: "Das war im Frühjahr 2015. Ich war da mit meinem Sohn in einem Garten auf einer Wiese. Der hat gespielt mit nem Ball, ist einem Ball hinterher gerannt, und brach auf einmal ab mitten im Spiel weil er da irgendeinen Käfer oder irgendein Insekt entdeckt hatte und war da ganz woanders mit den Gedanken. Und das fand ich einfach total schön weil ich mich da in ihm komplett entdeckt habe, weil ich dachte: 'Na klar, so war ich ja auch.' Also es hatte mich gar nicht gewundert, es fühlte sich einfach, warum auch immer es den Menschen so geht, es fühlte sich schön an, sich in ihm wiederzufinden."

"Und zugleich, auf einmal, kam wieder dieser Gedanke auf, warum ist das eigentlich zwischen meinem Vater und mir nicht so?"
Sven

Was dabei rauskam, hört ihr hier im Podcast.