In Deutschland gibt es verschiedene Messstationen, die Atombombentests registrieren können. Selbst die, die sich im 8000 Kilometer entfernten Nordkorea ereignen. 

Was der kleine Ortsteil Bischofsreut im Bayerischen Wald mit Atomwaffentests in Nordkorea zu tun haben könnte, erschließt sich vielleicht nicht sofort. In Bischofsreut, unweit von Passau, befindet sich eine Messanlage, die seismologische Erschütterungen registrieren kann. Und das selbst, wenn sie sich auf der anderen Seite der Welt ereignen. Seit 2006 hat Nordkorea fünf Atombombentests durchgeführt und diese wurden unter anderem von Seismometern und einer Infraschallantenne im Bayrischen Wald gemessen. 

"Man kann sich die Erde als Wassertropfen vorstellen, würde man nun irgendwo mit einer Nadel hineinstupsen, dann breiten sich die Schwingungen aus."
Ralf Krauter, Wissenschaftsjournalist

Die Anlage im Bayerischen Wald gehört zu einem weltweiten Netzwerk, das illegale Kernwaffentests aufspüren soll. Eine Unterorganisation der UNO baut diese globale Überwachungsstruktur seit 1996 auf. In diesem Jahr legte die UNO in New York einen Vertrag für das Verbot von Atomtests vor, der inzwischen von 166 Ländern unterzeichnet wurde. Nordkorea und die USA befinden sich nicht unter den Unterzeichnerstaaten.

Geheime Atomtests unmöglich

Zurzeit gibt es 337 Messstationen rund um den Globus, die möglichst gleichmäßig verteilt sind. Ein Lauschangriff im großen Stil mit vier verschiedenen Sensortechnologien: Seismometer, Infraschallmikrofone, Unterwassermikrofone und Radionuklid-Detektoren zur Messung radioaktiver Gase. Mithilfe dieser vernetzten Sensoren ist es praktisch unmöglich, dass jemand einen Kernwaffentest macht, ohne dass das die UNO mitbekäme.

Nadel im Heuhaufen

Allerdings gibt es täglich weltweit hunderte Beben - natürlichen oder von Menschen gemachten Ursprungs - die nichts mit Kernwaffentest zu tun haben. Die Aufgabe der Ingenieure in den Anlagen ist es, sich die Form und den Verlauf der Erdbebenwellen genau anzuschauen. Bei konkreten Verdachtsfällen darf die UN dann im Prinzip Inspekteure vor Ort schicken, um herauszufinden, was sich dort abgespielt hat.

Ferndiagnose kann nicht überprüft werden

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe BGR in Braunschweig sammelt die Daten, die in den deutschen Messstationen erhoben werden. Diese werden dann an ein Datenzentrum in Wien weitergeleitet, wo Experten die Zahlen auswerten.

Die Auswertungen der beiden unterirdischen Detonationen in Nordkorea im Jahr 2016 ergaben, dass es sich um Atombomben mit einer Sprengkraft von zehn beziehungsweise 25 Kilotonnen gehandelt haben muss. Ein Ergebnis, das nicht mit den offiziellen Auskünften Nordkoreas übereinstimmt. 

Abgleich mit Satellitenbildern und Geheimdienstinformationen

Die Befunde werden außerdem noch mit Satellitenbildern und Geheimdienstinformationen abgeglichen. Das Ergebnis: Nordkorea baut Atombomben. Vermutlich kann das abgeschottete Land aber noch keine Wasserstoffbomben herstellen. 

Außerdem gilt als sicher, dass Nordkorea noch lange nicht so weit ist, seine Atombomben wirklich so weit zu verkleinern, dass man Raketen damit bestücken könnte. Das ist technisch sehr anspruchsvoll, und es wird wahrscheinlich noch Jahre dauern, bis das Land technologisch so weit ist.