Im April 2015 kam in Köln eine 19-jährige Radfahrerin ums Leben, weil sie von einem Auto erfasst wurde, das mit stark überhöhter Geschwindigkeit fuhr. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Fahrer vor, sich mit einem anderen Autofahrer ein illegales Autorennen geliefert zu haben.

Beim Prozess am Kölner Landgericht wird seit heute (17.02.2016) der Fall einer 19-jährigen Radfahrerin verhandelt. Sie wurde auf dem Heimweg von der Uni von einem Auto erfasst. Die Studentin erlag drei Tage nach dem Unfall ihren schweren Verletzungen.

DRadio-Wissen-Reporterin Julia Möckl war für uns beim Prozessauftakt dabei. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten vor, sie hätten vorsätzlich falsch überholt, seien viel zu schnell unterwegs gewesen mit ihrem BMW bzw. Mercedes SL Cabrio - nämlich mit über 90 bei erlaubten 50 km/h, erzählt Julia Möckl. "Der BMW soll dann zu schnell in eine Kurve gefahren sein und mit den Reifen an einen Bordstein gestoßen, daraufhin hat der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verloren, ist über die Straße geschleudert und hat die 19-jährige Radfahrerin erfasst." Die Staatsanwaltschaft gehe von fahrlässiger Tötung aus. Zum geforderten Strafmaß habe sie sich noch nicht geäußert.

"Es tut mir unendlich leid"

Die beiden Angeklagten waren bei der öffentlichen Verhandlung vor dem Kölner Landgericht anwesend, haben sich aber nicht persönlich zum Tathergang geäußert. Sie ließen eine Erklärung von ihren Anwälten vorlesen. Darin bestreiten beide, dass es eine "ausdrückliche oder eine stillschweigende Verabredung zu einem Rennen" gegeben habe. Bei den Angaben zur Person erklärte einer der beiden Angeklagten, dass er wegen des Unfalls psychische Probleme hätte und seit fünf Monaten eine Therapie mache.

"Ich denke jeden Tag an den Unfall. Es tut mir unendlich Leid, dass durch mein Verhalten ein Mensch gestorben ist."
Aus der vom Anwalt verlesenen Erklärung eines der beiden Angeklagten

Für den Prozess vor dem Kölner Landgericht sind sieben Verhandlungstage angesetzt, Zeugen werden auch aussagen. Die Eltern der verstorbenen Radfahrerin treten als Nebenkläger auf.

Raser gibt es in vielen Großstädten

Im Januar wurden in Köln zwei 20-Jährige zu Jugendstrafen auf Bewährung verurteilt. Sie hatten sich ein illegales Rennen in der Stadt geliefert. Einer der beiden hatte eine rote Ampel überfahren und ein Taxi gerammt, dabei kam der Fahrgast ums Leben. Auch in anderen Städten kommt es zu illegalen Autorennen: In Berlin hat Anfang Februar einer von zwei Rasern ein drittes unbeteiligtes Auto gerammt, der Fahrer starb noch am Unfallort.

Soko gegen illegale Autorennen

In Köln hat die Polizei im Mai 2015 eine "Besondere Aufbauorganisation Rennen" eingesetzt und die Kampagne "Null Toleranz für Raser - wählen Sie die 110" gestartet. Der Chef der Sonderermittlungsgruppe, Rainer Fuchs, setzt vor allem auf die Mithilfe der Bürger.

Rainer Fuchs, Chef der Sonderermittlungsgruppe gegen illegale Autorennen in Köln
"Wir müssen wissen, wo sie sich bewegen, wann sie sich wo treffen, und dann kann man auch gezielter gegen diese Szene vorgehen."

Das Schwierige an der Szene ist, dass es keine organisierten Strukturen gibt, sagt Rainer Fuchs. Die hauptsächlich 18- bis 25-Jährigen treffen sich zum Beispiel an Ampeln und verabreden sich nonverbal - also durch Blicke oder Handzeichen. Natürlich würden sie sich auch per Handy oder in sozialen Netzwerken verabreden, aber: "Die spontanen Verabredungen, die haben wir fast täglich", erklärt der Chef der Sonderermittlungsgruppe.

Seit Rainer Fuchs und seine Kollegen ihre Arbeit aufgenommen haben, konnten sie 12.000 Maßnahmen gegen die Szene erreichen, erklärt er. 460 Fahrverbote wurden ausgesprochen, 70 illegale Rennen angezeigt und 160 Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen. Außerdem wurden zahlreiche Geschwindigkeitsverstöße geahndet.