In den Riffen vor den Küsten Indonesiens und der Philippinen werden tropische Fische mithilfe von Gift gefangen. Weil es einfacher und effektiver ist, setzen die Fischer Zyanid zum Fischfang ein und ignorieren damit Gesetze, die das verbieten.

Schönen, bunte Fische sind beliebt, damit lässt sich gut handeln. Zu ihnen zählen der Clownfisch, Doktorfische, Falterfische, Kaiserfische und Riffbarsche. An sie heranzukommen, ist aber nicht so einfach. Denn sie leben in den Riffen vor den Küsten Indonesiens oder der Philipinen. Dort können sie sich in den verwinkelten Korallenstöcken gut verstecken.

Die Fischer nutzen deshalb keine Netze. Als viel effizienter hat sich eine andere Methode erwiesen, die allerdings seit 1975 verboten ist: Gift.

Die Fischer kippen Blausäure (Zyanid) aus einer Flasche ins Wasser. Meist suchen sie sich eine Stelle über einem Riff und warten dann nur noch, dass die gelähmten Fische an die Wasseroberfläche treiben. Für Taucher ist es dann leicht, die Fische aufzusammeln.

"Im Körper blockiert das Zyanid wichtige Enzyme, sodass es zu Lähmungserscheinungen kommt. Der Fisch treibt dann hilflos im Wasser."
Mario Ludwig, Biologe

Zwar kann der betäubte Fisch das Zyanid nach einer Erholungsphase wieder aus dem Stoffwechsel ausscheiden und sich wieder erholen. Wenn das Zyanid allerdings zu hoch dosiert wurde, stirbt der Fisch an der Zyanidvergiftung.

Der Einsatz dieses Giftes schädigt aber nicht nur Clown-, Falter, oder Doktorfische - auch andere im Meer lebende Tiere nehmen das Gift auf. Experten sagen: Das Zyanid tötet bei seiner Ausbringung im Riff schon mal 50 Prozent aller Fische, die dort leben. Und von den restlichen Fischen sterben dann weitere 40 Prozent, bevor sie irgendwo in Europa oder den USA ein Aquarium erreichen.

Ein Fischer zeigt einen Fisch, der mit Zyanid gefangen wurde.
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Ein Fischer zeigt einen Fisch, der mit Zyanid gefangen wurde.

Außerdem richtet das Zyanid auch im Riff massive Schäden an. Es tötet Kleinalgen, Wasserpflanzen und zerstört zusätzlich die Riffe selbst - was besonders schlimm ist, sagt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig.

Die Kleinalgen versorgen Korallen mit Energie und verleihen ihnen ihre wunderbare Farbe. Wenn sie fehlen, kommt es zur Korallenbleiche, bei der letztendlich auch die Korallen absterben. Und mit den Korallen stirbt auch das gesamte Riff. Von dem sind viele weitere Meerestiere abhängig – sei es als Unterkunft oder Nahrungsquelle, so Mario Ludwig.

Korallengarten mit tropischen Fischen, Nusa Lembongan, Bali, Indonesien
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Korallengarten mit tropischen Fischen in Indonesien.

Zyanid-Fischerei ist seit 1975 verboten

Wissenschaftler des World Resources Institute schätzen, dass allein in den Korallenriffen der Philippinen seit den 1960er Jahren mehr als 1000 Tonnen Cyanid ausgeschüttet worden sind. Und das, obwohl diese Methode schon seit 1975 verboten ist. 1985 folgten entsprechende Gesetze in Indonesien. Das Problem ist, sagt Biologe Mario Ludwig, dass die Gesetze nicht kontrolliert werden.

Eine große wissenschaftliche Untersuchung der Universität von Aveiro in Portugal hat über einen Zeitraum von zwei Jahren immer wieder Zierfische von drei europäischen Großhändlern auf Zyanidrückstände untersucht. Das Ergebnis: Bei 15 Prozent aller untersuchten Fische konnten die Rückstände einer Zyanidvergiftung nachgewiesen werden. Hauptsächlich bei Falterfischen, Kaiserfischen und Doktorfischen.

"Die Zyanidfischerei geht trotz Verboten munter weiter, und offensichtlich nehmen das auch viele Händler durchaus billigend in Kauf."
Mario Ludwig, Biologe

Der Gewinn beispielsweise mit Clownfischen - den viele aus "Findet Nemo" kennen - ist sehr groß. Zwar verdient ein Fischer auf den Philipinen gerade einmal 10 Cent daran - in den USA oder in Europa geht er aber für ein Vielfaches über den Ladentisch. In Europa kostet er im Schnitt 20 Euro - in den USA sind es 25 Dollar. Am Ende kommt da eine ganz schöne Summe zusammen: Weltweit werden jedes Jahr 35 Millionen Fische für Aquarien gefangen. Experten schätzen, dass ein Großteil davon aus den Phillipinen und Indonesien stammt.

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