Der Einkaufswagen ist eine Maschine, Spargel gibt es geschenkt und Mitarbeiter im Überfluss: Ein Besuch im ersten Amazon-Supermarkt in Kalifornien.

Im September hat Amazon sein Supermarktkonzept unter dem bekannten Markennamen Amazon Fresh im kalifornischen Woodland Hills für ausgewählte Kunden geöffnet. Inzwischen dürfen auch Menschen ohne Einladung dort einkaufen.

Einkaufshilfen wie der Dash-Einkaufswagen und Beratung durch Alexa-Stationen sollen die Wartezeiten an der Kasse und die Einkaufszeiten insgesamt verkürzen. Katharina Wilhelm, die ARD-Korrespondentin für Kalifornien, findet den volltechnisierten Einkaufswagen, den Amazon Dash Cart, das Auffälligste im Vergleich zu einem normalen Supermarkt. Kundinnen und Kunden können diesen Wagen benutzen, aber es stehen auch normale Modelle ohne Technik zur Verfügung.

"Das ist ein spezieller Einkaufswagen: grün, unglaublich schwer, weil sehr viel Technik drin ist. Die haben da mehrere Kameras und Scanner eingebaut und auch eine Wage."
Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin für die Westküste der USA

Richtig komfortabel werde das Einkaufen mit dem Dash Cart eigentlich erst, wenn die Kundenidentität mit dem Gerät verbunden wird. Dann erledigt der Einkaufswagen das, was eine Selbstscan-Kasse auch tut, die gewählten Produkte zu analysieren, zu wiegen, zu fotografieren und den Preis zu ermitteln.

Keine Spur von Datenschutz

Dann fällt auch das Warten an einer Kasse weg. Vergleichbare fahrbare Scanner-Kassen setzen auch größere Supermarktketten unter anderem in Schweden, Estland, Frankreich und Großbritannien bereits ein.

"Das wird kein Modell sein, dass sich in Deutschland durchsetzen wird, weil unsere Datenschutzgesetze viel strenger sind als die in den USA."
Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin für die Westküste der USA

Was mit den im Amazon-Supermarkt erhobenen Daten passiert, welche überhaupt in dem Geschäft anfallen und die im Kundenkonto hinterlegten ergänzen, darüber werden Kundinnen und Kunden vor Ort nicht aufgeklärt, sagt Katharina Wilhelm. Aus Datenschutzgründen werde ein vergleichbar ausgestatteter Amazon-Supermarkt deswegen auch in Deutschland nicht an den Start gehen.

Einkaufen mit Erklärungsbedarf

Momentan sei das Personalaufkommen in dem Amazon-Supermarkt eher noch größer, als in weniger technisierten Supermärkten. Manchem Produkt fehle eben noch der Barcode – dem Spargel zum Beispiel. Den hat sie dann geschenkt bekommen. Insgesamt gebe es eben noch viel zu erklären, sagt Katharina Wilhelm.

"Die müssen alles so angleichen, dass dieser Einkaufswagen das erkennt. Deswegen hast du dann noch sehr viele Mitarbeiter rumspringen."
Katharina Wilhelm, ARD-Korrespondentin für die Westküste der USA