Wohnungen und Häuser werden im Schnitt etwas günstiger – vor allem, weil die Zinsen so hoch sind. Von einem echten Preisrutsch kann aber keine Rede sein.

Die Preise für Wohnungen und Häuser kannten zumindest in gefragten Gegenden in den letzten Jahren nur eine Richtung: nach oben. Jetzt aber scheint es eine Trendwende gegeben zu haben. Die Preise sind im Schnitt etwas gefallen.

Konstantin Kholodilin, der an einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zu Immobilienpreisen mitgearbeitet hat, sagt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Preiseinbrüche von bis zu zehn Prozent bei Eigentumswohnungen und Eigenheimen sind durchaus möglich."

"Der Boden der Preise ist noch nicht erreicht."
Nicolas Lieven, Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsjournalist

Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven nennt eine Faustregel: Steigen die Bauzinsen um einen Prozentpunkt, fallen die Immobilienpreise um 10 Prozent. Da die Zinsen schon um zwei bis drei Prozentpunkte gestiegen sind, müssten demnach auch die Immobilienpreise stärker gefallen sein. Einerseits, sagt Nicolas Lieven, sei "der Boden noch nicht erreicht", das heißt die Preise fallen wohl noch etwas – so seine Prognose.

Andererseits könnte in der aktuellen Situation diese Faustformel auch nur bedingt gelten. Denn: Das Angebot an Eigentumswohnungen und Häusern sowie Bauland ist in vielen Regionen weiterhin knapp. Manche Gemeinden können kaum noch Baugebiete ausweisen und es werden zu wenige Wohnungen gebaut. Eine Wohnflächen-Knappheit entsteht deswegen nicht automatisch. Nur:

Monatliche Zahlungen verdoppelt

Trotzdem, die Immobilienpreise sinken etwas, wenn auch langsam. Die Gründe dafür sieht Nicolas Lieven in erster Linie in den gestiegenen Zinsen. So würde beim aktuellen Zinsniveau bei gleicher Tilgung heute pro Monat zum Beispiel 2000 Euro an die Bank überwiesen werden müssen – das Doppelte im Vergleich zum Zeitraum vor ein bis zwei Jahren, als die Zinsen deutlich niedriger waren.

Außerdem sei es generell schwieriger, einen Hauskredit überhaupt zu bekommen. Banken verlangten mehr Eigenkapital, und sie bewerteten das Einkommen anders als früher – wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten. Es ist heute einfach weniger Geld da, das Haus abzubezahlen, so Nicolas Lieven.

  • Moderation:  Anna Kohn
  • Gesprächspartner:  Nicolas Lieven, Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsjournalist