Die Sichtbarkeit von Impfgegnern auf Facebook ist schon eingeschränkt. Auf die Einnahmen durch bezahlte Anzeigen der entsprechenden Gruppen will das Unternehmen aber nicht verzichten.

Facebook galt viele Jahre sozusagen als Wohlfühl-Oase für Impfgegner, und in gewisser Weise ist das immer noch so. "Dort konnten sie ihre Anzeigen und Kampagnen platzieren und sie zielgerichtet steuern", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll.

Für die – vor allem US-amerikanischen – Facebook-Nutzer hieß das: Wer sich dort über das Thema Impfen informieren wollte, landete schnell auf Seiten von Impfgegner-Gruppen, die versuchen, andere davon abzuhalten, sich selbst oder ihre Kinder impfen zu lassen.

"Eindeutig ist: Facebook scheut klare Schritte."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Nach viel Kritik hatte Facebook die Algorithmen angepasst und nachgebessert. Doch Impfgegner haben noch immer ein wichtiges Werkzeug: Die Facebook-Werbung. Facebook hatte zwar angekündigt, auch vorzugehen, das hat laut Recherchen des Online-Magazins Buzzfeed aber kaum funktioniert. Heißt: Es gibt immer noch Anzeigen, die für das Nicht-Impfen werben beziehungsweise vor dem Impfen warnen.

Anzeige bewirbt Onlinebroschüre, die Falschinformationen enthält

Facebook teilt mit, es gebe keinen generellen Bann gegen Anti-Impf-Werbung auf Facebook. Die Plattform akzeptiere lediglich keine Werbung, die falsche Informationen zum Thema Impfen verbreite.

"Nun kann man darüber streiten, ob eine Werbeanzeige falsche Informationen enthält oder nicht", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll. "Eindeutig ist: Facebook scheut klare Schritte." Und das führt am Ende zum Beispiel zu Anzeigen, die zwar direkt keine falschen Aussagen enthalten, dafür aber eine Onlinebroschüre bewerben, die wiederum Falschinformationen enthält.

"Facebook akzeptiert nur Abstriche bei Werbeeinnahmen, wenn es gar nicht mehr vermeidbar ist."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Dieses Phänomen gilt auch für politische Werbung, die auf anderen Plattformen verboten ist, bei Facebook aber nicht. Facebook nimmt Einbußen bei seinen Werbeeinnahmen nur dann in Kauf, wenn gar kein Weg daran vorbei führt, sagt Andreas.

Facebook hat die Sichtbarkeit von impfkritischen Inhalten aber schon eingeschränkt: Beiträge von radikalen Impfgegnern oder auch entsprechende Facebook-Gruppen erhielten eine geringere Sichtbarkeit, sie wurden in den Suchergebnissen also weniger prominent oder gar nicht mehr angezeigt. Informationen von unabhängigen Stellen wie der Weltgesundheitsorganisation wurden dagegen stärker gewichtet. Was jetzt noch bleibt: Werbeanzeigen von Impfgegnern – mit denen Facebook eben Geld verdient.