Ob Tierärzt*innen auch Menschen impfen können und sollten, und was es dabei zu beachten gilt, haben wir mit einer Tierärztin besprochen.

30 Millionen Impfungen will Gesundheitsminister Karl Lauterbach bis Weihnachten realisieren. Damit soll die vierte Welle der Corona-Pandemie in Deutschland gebremst werden und ein Ende der Pandemie deutlich näher rücken.

Dafür braucht es nicht nur genug Impfstoff, sondern auch Fachpersonal, das die Impfungen durchführen kann. So wurde am Dienstag (07.12.2021) im Bundestag debattiert, dass auch impfberechtigte Apotheken, Zahnärzt*innen und möglicherweise auch Tierärzt*innen in Impfaktionen miteinbezogen werden könnten.

Bei Zahnärzten bedarf es beispielsweise einer Sondergenehmigung, weil Impfungen bisher nicht im Zahnheilkundegesetz enthalten sind.

"Ob man einen Pferd impft oder einen Hund, macht nicht so einen großen Unterschied zum Menschen aus – von der Tätigkeit her."
Janine Sommer, Veterinärmedizinerin

Impfungen zählen zu den Standardaufgaben von Veterinärmedizinerinnen, allerdings führen sie diese bisher ausschließlich bei Haus- und Nutztieren durch. Das Impfen sieht die Veterinärmedizinerin Janine Sommer als einfach an, man müsse nur in den Muskel pieksen, dafür brauche es aus ihrer Sicht keine Weiterbildungen.

Viele andere Fragen müssen allerdings noch geklärt werden, bevor entschieden werden kann, dass Tierärzt*innen bei den Impfaktionen mitmachen: beispielweise die Haftung, räumliche Voraussetzungen und Vergütung.

"Ich denke, es war von Anfang an eine große Diskussion, ob nicht jeder, der in der Lage ist oder einen medizinischen Hintergrund hat, mithelfen kann, möglichst schnell viele Menschen zu impfen."
Janine Sommer, Veterinärmedizinerin

"Nur weil ich die Fähigkeit habe zu impfen, heißt das nicht, dass ich auch die Fähigkeit habe zu helfen, wenn es zu einer Impfreaktion kommt", gibt die Tierärztin Janine Sommer zu bedenken. Denn Veterinärmediziner*innen dürfen, wie alle anderen Bürger*innen auch, Erste Hilfe leisten, aber nichts unternehmen, was darüber hinausführt – dafür sind sie nicht ausgebildet.

Erste Hilfe bei Impfreaktionen gewährleisten

Eine Möglichkeit wäre, Tierärzt*innen in mobilen Teams und Impfzentren einzusetzen. Damit hätte man viele Fragen und Probleme auf einmal geklärt. Die Sicherheit bei Impfreaktionen wäre beispielsweise gewährleistet, weil genug Humanmediziner*innen in einem Impfzentrum im Einsatz wären. Sie könnten helfen, wenn sich eine geimpfte Person plötzlich unwohl fühlt.

Auch Fragen bezüglich Bestellungen, Lieferungen, räumlicher Ausstattung hätte man damit gelöst.