Forschende der Charité haben gemeldet, "hochwirksame Antikörper" gegen das neuartige Coronavirus entdeckt zu haben. Was das ist und wie sie wirken könnten, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff.

Wenn ein Mensch an Covid-19 erkrankt, dann bildet der Körper verschiedene Antikörper, mit denen das Immunsystem versucht, sich gegen die neue Krankheit zu wehren. Mit Hilfe von Antikörpern kann ein Körper also das neue Virus in den Griff bekommen und wieder gesund werden.

Manche Antikörper sind dabei deutlich wirksamer als andere. Diese können an das Virus andocken. Sie blockieren dann die Stelle des Virus, mit dem es sonst in die menschliche Körperzellen eindringen würde. Das Virus kann sich dann in den Zellen nicht weiter vermehren. Diese Antikörper möchten die Forschenden nun im großen Stil untersuchen, nachbilden und in großen Mengen herstellen.

"Diese Antikörper unterstützen die Abwehr des Körpers gegen das neue Coronavirus besonders gut."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Charité ist damit nicht alleine, andere Pharmafirmen sind teilweise sogar schon weiter mit ihren Studien in diese Richtung. Die "hochwirksamen Antikörper" können ein Grundstein für ein Mittel gegen Sars-CoV-2 sein. Wie lange es noch dauern wird, und ob es auch am Menschen wirkt, können die Forschenden bisher aber noch nicht sagen.

Erste Tests nur mit Hamstern

Um an die hochwirksamen Antikörper heranzukommen, haben die Forschenden das Blut von Menschen untersucht, die an Covid-19 erkrankt waren und die Krankheit überstanden hatten. Aus deren Blut haben sie in einem ersten Schritt fast 600 verschiedene Antikörper isoliert. Die vielversprechendsten Antikörper haben die Forschenden dann künstlich nachgebildet und zunächst an Hamstern getestet.

Hamster sind nämlich nach Angaben der Forschenden ähnlich anfällig für Infektionen mit Sars-CoV-2 wie wir Menschen. Bei den Hamstern liefen die Tests bisher ziemlich gut: Wenn die Hamster schon infiziert waren und dann Antikörper bekamen, entwickelten sie höchstens milde Krankheitssymptome. Bekamen die Tiere die Antikörper sogar noch vor einer Infektion, wurden sie erst gar nicht krank.

Ab Ende des Jahres erste Studien

Der nächste Schritt ist nun, dass die Forschenden herausfinden müssen, wie sie die drei besonders vielversprechenden "hochwirksamen Antikörper" idealerweise in großen Mengen herstellen könnten. Das ist allerdings sehr aufwändig und teuer. Dazu arbeiten sie mit dem deutschen Biotechnologie-Unternehmen Miltenyi Boitec zusammen.

"Ein Nachteil an so einer Antikörper-Therapie ist: Solche Antikörper künstlich herzustellen, ist sehr aufwändig und teuer."
Wiebke Lehnhoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Ab frühestens Ende des Jahres könnten dann klinische Studien beginnen. Auch diese dauern wieder, da sie wie alle Studien mehrere Phasen erfolgreich durchlaufen müssen, bevor am Ende ein Mittel zur passiven Impfung feststeht.

Aktive und passive Impfungen verlaufen unterschiedlich

Bei passiven Impfungen werden schon fertige Antikörper verabreicht. Der Schutz besteht aber nur solange, wie die künstlich hergestellten Antikörper noch im Blut sind. Wenn sie nicht weiter gespritzt werden, bauen sie sich mit der Zeit ab. Dafür wirkt die passive Impfung sofort. Es handelt sich also eigentlich gar nicht um eine richtige Impfung, sondern ist eher eine Art "passive Immunisierung".

Bei der klassischen aktiven Impfung muss das Immunsystem erst selbst noch Antikörper bilden, der Schutz muss sich also erst noch aufbauen. Dafür hält der Schutz einer aktiven Impfung deutlich länger, da sich das eigene Immunsystem für längere Zeit merkt, wie der Krankheitserreger aussieht und wie man ihn bekämpft. Deshalb wird neben einem passiven Impfstoff ja auch seit längerem nach einem aktiven Impfstoff gegen Covid-19 gesucht.