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Seit ein paar Tagen wird darüber diskutiert, ob Studierende schneller und einfacher an eine Impfung kommen sollen, damit das Wintersemester im Präsenzunterricht stattfinden kann. Den Anstoß dazu hat der Rektor der Uni Heidelberg gegeben. Jetzt hat sich auch Kanzleramtschef Helge Braun geäußert und verspricht: Studierende sollen Anfang des Wintersemesters geimpft werden. Das wäre allerdings ein bisschen spät.

Der Campus, die Seminare, der Austausch untereinander aber auch die Ruhe in der Bibliothek – Studierende vermissen das Unileben und wollen wieder zurück an die Hochschulen. Beziehungsweise, diejenigen, die gerade erst angefangen haben zu studieren, kennen das Campusleben noch überhaupt nicht richtig. Wenn nicht schneller geimpft wird, könnte das weiterhin bedeuten, dass Vorlesungen Online stattfinden müssen.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Armin Himmelrath ist unser Hochschulexperte und kennt die aktuellen Vorschläge. Bernhard Eitel, der Rektor der Uni Heidelberg, hat zum Beispiel vorgeschlagen, die Impfzentren zu sogenannten Impfstraßen umzubauen. "Und da können dann die Studierenden hingehen und bekommen einfach mit Studierendenausweis sofort ihre Impfung", erklärt Armin Himmelrath. Der Heidelberger Rektor bekommt für seine Idee viel Unterstützung von anderen Rektor*innen und von der Landesrektorenkonferenz Nordrhein-Westfalen.

"Die sagen ja, genau das brauchen wir. Denn ohne Impfung bei den Studierenden wird es im Wintersemester keine Präsenzveranstaltungen geben."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk Nova

Das Problem ist vor allem der Platz. Denn zum Wintersemester werden ungefähr 900.000 neue Studierende an Unis und Fachhochschulen erwartet. "Und die haben einfach mal ausgerechnet, wenn man die Abstandsregeln einhält von 1,50 Meter pro Person, dann kriegt man eben die Studierenden überhaupt nicht rein." Bei strenger Einhaltung der Abstandsregeln würde nur ein Fünftel der Studierenden in die Hörsäle passen. Bedeutet: Es würde wieder auf Online-Seminare hinauslaufen.

"Wenn man sagt, wir wollen im Wintersemester Präsenzunterricht machen, dann ist natürlich der Anfang des Wintersemester schlicht zu spät."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk Nova

Die Rektoren sagen, wenn wir im Oktober starten wollen mit Präsenz für alle, dann müssten wir spätestens Anfang August loslegen mit der Impfung für alle. Das sieht auch Nicolas Battigge so, er ist Student in Heidelberg und Initiator eines offenen Briefs, den mehrere 100.000 Studierende unterschrieben haben. Der Brief richtet sich an die Politik und fordert Hilfe für den Präsenzunterricht.

Ein offener Brief an die Politik

Helge Brauns Ansage, dass es zu Beginn des Wintersemesters mit den Impfungen losgehen soll, reicht Nicholas nicht. Das würde schließlich bedeuten, dass die Studierenden dann erst im November wirklich immun wären.

"Wenn man dann erst mit der ersten Impfung im Oktober loslegt, immun wäre man dann im November irgendwann. Und das ist einfach nicht hinnehmbar.“
Nicolas Battigge, Student

Ob sich die Impfungen bis zum Wintersemester überhaupt umsetzen lassen, hängt natürlich auch von der Verfügbarkeit der Impfstoffe ab. "Da haben wir bisher immer noch zu wenig", sagt Armin Himmelrath. Er befürchtet, dass es auch eine Konkurrenz um die Impftermine mit Millionen anderen Impfwilligen geben könnte.

15.000 Impfungen pro Tag

Die Hochschulrektoren sagen, im Prinzip müsste man direkt jetzt im Juli loslegen – mit 15.000 Impfungen pro Tag, um das Ziel "Präsenzunterricht im Wintersemester" zu erreichen. "Aber wenn wir länger warten – jede Woche mehr erhöht sozusagen den Druck, dass am Tag noch mehr geimpft werden müsse", so Armin Himmelrath.

Einzelne Unis versuchen inzwischen eigenständig Impfungen zu organisieren, in Berlin zum Beispiel. "Manchmal wird es auch von Studierenden organisiert für ihre Kommilitoninnen", berichtet Armin, grundsätzlich sei das ein großer Aufwand, "und es würde dazu führen, dass es letztlich Zufall ist, ob ich jetzt gerade an der Uni mit einem Impfangebot studiere oder eben an einer Uni ohne Impfangebot. Und das kann natürlich nicht die Lösung sein, dass das ein Zufallsfaktor ist, ob Präsenzunterricht stattfinden kann oder nicht."