Digital oder analog? Ein riesiger Erinnerungshaufen oder sorgfältige Auswahl? Die Möglichkeiten, wie man an sich selbst erinnern kann, scheinen fast unbegrenzt.

Wie bleibt ein Leben für einen selbst, für Verwandte und Freunde erhalten und sinnvoll organisiert? Unsere Reporterin Caro Bredendiek hat sich analoge und digitale Erinnerungsoptionen angesehen:

Analoge oder digitale Erinnerung?

Analog: Ein Fotoalbum ist wohl die traditionellste Erinnerungsform. Wer Jahr für Jahr zehn Fotos einklebt hat schon mal ein System und mit der Zeit auch ein kleines Erinnerungsarchiv. Besonders wichtig dabei: Kommentare nicht vergessen und direkt dazu schreiben. Für bequemere Menschen gibt es Bücher, die Hilfe beim Strukturieren liefern, weil sie schon in vorgefertigte Kapitel eingeteilt sind: zur Schulzeit, zu Hobbys, Lieblingsessen und weiteren persönlichen Details.

Digital: Bei digitalen Medien macht das Auswählen oft die größte Arbeit: Jeder hat riesige Datenmassen auf seinem Handy und auf dem Laptop und im Instagram-Account. Wer soll sich durch dieses Chaos durchwühlen? Ein weiteres Problem: der Zugang zu Passwörtern und die Abstufung der Zugänge nach Beziehungsgrad.

Zu viele Daten, zu viele Passwörter

Caro weist auf den Inaktivitätsmanager eines großen Online-Konzerns hin. Dort könnt ihr einstellen, was mit euren Daten passieren soll, wenn ihr euch seit einer bestimmten Zeitspanne nicht angemeldet habt. Wenn ihr euch beispielsweise seit einem halben Jahr nicht mehr eingeloggt habt, können von euch bestimmte Vertrauenspersonen Zugriff auf eure Daten oder einen Teil davon bekommen – Fotos in der Cloud zum Beispiel oder E-Mails.

Eine App als Gefühlsspeicher

Außerdem gibt es Apps, mit denen ihr schon zu Lebzeiten vorsorgen könnt. Leonhard Bichler hat zum Beispiel den LifeCompanion entwickelt. Auf die Idee ist er vor ein paar Jahren gekommen, nachdem er bei einer Klettertour in den Bergen abgestürzt war. Ihm fiel auf, dass im Fall seines Todes Verwandten und Freunden keinerlei emotionales Vermächtnis geblieben wäre.

User seiner App können dort einerseits den Ablauf und die Details ihrer Trauerfeier festlegen. Andererseits können sie darin Nachrichten an Hinterbliebene und Zugänge zu Bildern und Videos hinterlassen. Im Laufe der Zeit soll ein digitales, emotionales Erbe entstehen.

In der App legt der Nutzer einen Verwalter fest. Dieser muss den Todesfall in der App melden und dann müssen mindestens zwei weitere Zeugen, die der Hauptnutzer vorher bestimmt hat, dessen Tod bestätigen. Erst dann bekommt der Verwalter Zugang zu den Daten.

"Dann können die Leute sehen, wie man das Leben selbst gesehen hat, was man selbst vom eigenen Leben als bewahrungswürdig empfunden hat."
Leonhard Bichler, TomorrowBits GmbH, Geschäftsführer