Glück ist sicher nicht käuflich, aber vielleicht erlernbar? In Neu-Delhi gibt es Glück als Unterrichtsfach. ARD-Korrespondent Sebastian Manz hat sich den Unterricht angeschaut.

Seit 2018 haben viele Kinder in Neu-Delhi Glücksunterricht. Die Happiness Class gibt es für drei bis 14-Jährige, täglich eine Stunde. Mit dem Fach soll psychischen Erkrankungen bei den Schüler*innen vorgebeugt werden. Die Kinder in der siebten Klasse, die Sebastian Manz besuchte, begannen ihren Glücksunterricht mit einer kurzen Meditation.

Anschließend stellten sie sich der Frage, was Geld für den Charakter des Menschen bedeutet, sagt der ARD-Korrespondent. Er berichtet aus der indischen Hauptstadt. Erst Meditation, dann Diskussion sei ein ganz typischer Ablauf einer solchen Unterrichtseinheit für eine etwas ältere Gruppe.

"Delhi hat den Glücksunterricht vor vier Jahren eingeführt, weil man immer mehr psychische Krankheiten, wie zum Beispiel Depressionen, bei Kindern festgestellt hat."
Sebastian Manz, ARD-Korrespondent mit Sitz in Neu Delhi über den Glücksunterricht

Vom Charakter her seien diese Happiness-Stunden eine Art Safe Space für die Kinder und Jugendlichen, habe ihm der Lehrer erklärt. Die Kinder sollten alles offenbaren, was ihnen durch den Kopf geht. "Es gibt dann für die älteren Kinder meistens pro Stunde eine Frage, an der man sich abarbeitet und den Rest der Stunde damit auseinandersetzt", sagt Sebastian Manz.

Gefühlt weniger Aggression

Bei den Kleinen fängt es damit an, dass sie lernen sollen, Süßigkeiten langsam zu genießen. Bei den Größeren werden auch Mobbing, Prüfungsangst und das Verhältnis zu den Eltern thematisiert. Ziel ist auch, einen wertschätzenden Umgang der Kinder miteinander zu erreichen.

"Ich glaube, dass ich ein überdurchschnittliches Harmonie-Level wahrgenommen habe, auf jeden Fall in der Klasse, die ich beobachten konnte."
Sebastian Manz, ARD-Korrespondent mit Sitz in Neu Delhi über den Glücksunterricht

Der Lehrer habe gesagt, dass Handgreiflichkeiten unter den Kindern, die vor ein paar Jahren fast täglich vorgekommen seien, nun völlig verschwunden seien. Für Sebastian Manz sieht es also so aus, als habe die Ausrichtung auf gegenseitige Wertschätzung in der Klasse, die er besucht hat, gut funktioniert.