In Indien sind viele Häuser nicht ans Abwassersystem angeschlossen. Deshalb kommt eine Toiletten-Erfindung genau richtig, bei der die Fäkalien komplett gefressen werden - von den Tiger Worms.

Kompostwürmer – auf Englisch Tiger Worms – wandeln Fäkalien in Kompost um. Diese Eigenschaft hat sich eine indische Firma zunutzen gemacht und die Tiger Toilets entwickelt, die die englische Bezeichnung der Kompostwürmer im Namen aufgreift.

Das Problem, das die Tiger-Klos lösen könnten: In Indien sind viele Häuser nicht ans Abwassersystem angeschlossen. Die Klos könnten dort für eine autonome Fäkalien-Beseitigung sorgen.

So funktioniert das Tiger-Klo

Die Würmer im Tiger-Klo werden in Behältern in den Boden eingelassen werden. Darin befinden sich auch Bakterien, die gemeinsam mit den Würmern so etwas wie eine Vergärungsanlage bilden.

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Wer das Tiger-Klo benutzt, sieht aber nichts von den Würmern, die bleiben brav in den Behältern.

"Die Würmer wollen auf jeden Fall in diesem hässlichen Tank drinbleiben. Die Fäkalien sind ihr Futter, sie fressen nichts anderes, und sie könnten nicht einfach so in der Erde überleben."
Silke Dittrich, ARD-Korrespondentin für Indien

Die Würmer arbeiten gründlich und wandeln die Fäkalien in Kompost um.

Klo ohne Wasserspülung

Die Idee zum Tiger-Klo hatte ein Inder, der an einer Londoner Uni studiert hat. Dort untersuchte ein Wissenschaftsteam, wie man Toiletten bauen kann, die ohne Wasser funktionieren.

Seit fünf Jahren sind die Tiger-Klos auf dem Markt und seit Kurzem auch von der indischen Regierung anerkannt worden, berichtet Silke Dittrich.

Bis vor wenigen Jahren: Verheerende sanitäre Zustände

Der amtierende Premierminister Narendra Modi hat zu Beginn seiner Regierungszeit das Ziel ausgegeben, dass alle Menschen in Indien Zugang zu einer Toilette haben sollten - und das hat auch geklappt.

Laut der Clean-India-Kampagne hätten jetzt viele Menschen einen Zugang zu einer Toilette. Die Kampagne spricht von 98 Prozent der Menschen, die jetzt ein Klo in ihrer Nähe haben. Zuvor hatte ungefähr die Hälfte der Menschen in Indien keinen Zugang zu einer Toilette.

Die Toiletten, die im Rahmen der Kampagne aufgestellt wurden, funktionieren allerdings anders als die Tiger-Klos. Der Vorteil an den Tiger Toilets ist, dass die Fäkalien komplett umgewandelt werden und nichts davon ins Abwasser oder in die Umwelt kommt. Bei den anderen Toiletten habe man die Sorge, dass die Fäkalien irgendwann die Umwelt belasten könnten.

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Die Würmer-Klos sind, obwohl sie viele Vorteile haben, noch nicht so verbreitet, sagt Silke Dittrich. Es seien gerade mal 4500 Tiger-Klos installiert worden. Bei einer Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden Menschen ist das verschwindend gering.

Mobile Tiger Toilets

Theoretisch wären solche Tiger-Klos auch für Festivals in Deutschland eine Überlegung wert. Die Toiletten müssten mit den "Gärungs-Containern" verbunden sein, hat der Hersteller erklärt. In Indien werden die mobilen Tiger-Klos derzeit auf Baustellen getestet.