In Indien ist die Sache klar: Wer Erfolg in der Politik haben will, muss sich aufplustern und gut reden können. Kein Wunder, dass Angela Merkel, die gerade auf Besuch in dem asiatischen Land ist, für viele Inder ein Rätsel bleibt - und dem will ein junger Doktorand jetzt auf den Grund gehen.

Angela Merkel reist nach Indien und trifft Premierminister Narenda Modi - für die meisten Inderinnen und Inder sind die deutsch-indischen Regierungskonsultationen vermutlich nicht wahnsinnig spannend. Doch wenn die Kanzlerin und ihr halbes Kabinett zu Besuch sind, dann wird ein junger Mann in der Hauptstadt Neu-Delhi ganz genau hinschauen: Jagdish Rajpurohit ist 28 Jahre alt - und schreibt eine Doktorarbeit über Angela Merkel.

Jagdish Rajpurohit
© Sandra Petersmann
Fasziniert von der effektiven Kanzlerin - der indische Doktorand Jagdish Rajpurohit.

Was ihn an der Kanzlerin reizt? Sie sei cool, effektiv und standhaft, hat er unserer Korrespondentin Sandra Petersmann erzählt. Jagdishs Studienschwerpunkt ist europäische Politik und Geschichte und da hat er sich natürlich auch die Eurokrise genauer angesehen. Hier hat ihm imponiert, dass Angela Merkel standhaft blieb, auch wenn sie mit ihrer harten Haltung immer mehr zur Buhfrau Europas wurde.

Merkels Führungsstil aus indischer Sicht

Für den indischen Experten steht fest: Europa ist auf dem Weg der Besserung - dank Angela Merkel, die immer gnadenlos effektiv blieb. Das gelte allerdings nur in europäischen Fragen, international hinke sie hinterher. In seiner Doktorarbeit soll es vor allem um Merkels Führungsstil gehen. Jagdish will herausarbeiten, wie eine Frau aus Ostdeutschland, mit einem wissenschaftlichen Hintergrund, die keine große Rednerin ist, eine so erfolgreiche Politikerin sein kann. Dazu muss man wissen: In Indien haben Politiker nur Erfolg, wenn sie die große Bühne beherrschen, sich aufplustern und große Redner sind. Ein Paradebeispiel ist der amtierende Staatschef Narenda Modi.