Indonesiens Regierung nutzt den Aberglauben seiner Bürger für Abschreckungsmaßnahmen: Todbringende Geister sollen die Menschen dazu bewegen, Masken wegen der Coronavirus-Pandemie zu tragen.

In Indonesien herrscht der Aberglaube, dass die Geister von Toten, die keine Ruhe gefunden haben, umherirren, man nennt sie "Pocong". Wer Besuch von ihnen bekommt, muss befürchten, bald qualvoll oder auf mysteriöse Art zu sterben.

Kürzlich haben indonesische Behörden Menschen, die als solche Geister verkleidet waren, über einen Markt in der Millionenstadt Tangerang im Nordosten der indonesischen Provinz Banten gehen lassen.

Damit wollten sie die Menschen an die Maskenpflicht zum Schutz vor Sars-CoV-2 erinnern.

Menschen, die mit weißen Tüchern und Masken als indonesische Pecong-Geister verkleidet sind.
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Indonesier fürchten die todbringenden Pocong-Geister.

Indonesien und Philippinen am stärksten betroffen

Indonesien ist - neben den Philippinen - das durch Corona am stärksten betroffene Land in Südostasien. Bis heute gibt es knapp 250.000 bestätigte Fälle und rund 9.400 Tote, sagt Holger Senzel, ARD-Korrespondent für Südostasien.

Bei 250 Millionen Einwohnern klinge das nicht nach so viel, wenn man die Zahlen mit Deutschland vergleichen würde.

Dunkelziffer wird als sehr hoch eingeschätzt

Allerdings werde in Indonesien sehr wenig getestet, weil es die technischen Möglichkeiten dazu nicht gebe. Dadurch nehme man an, dass die Dunkelziffer sehr hoch sei.

Weil es täglich zu 4.000 bis 6.000 Neuinfektionen kommt, ergreife die Regierung diese drastischen Maßnahmen zur Abschreckung damit.

"Es sagt etwas über ein sehr autoritäres Verhältnis des Staates zu den Bürgern oder der lokalen Behörden aus - wobei man sagen muss: Indonesien ist eine Demokratie."
Holger Senzel, ARD-Korrespondent für Südostasien

Andere drastische Maßnahmen gegen Maskensünder waren, dass Menschen mit einem Schild um den Hals die Straße säubern mussten. Auf dem Schild eine Art reumütiges Versprechen: "Ich verspreche, in Zukunft eine Maske zu tragen."

Indonesische Strafen führen zu internationalen Schlagzeilen

Andere wurden aufgefordert, in einen Krankenwagen zu steigen, in dem sich ein Sarg befand, um zu sehen, wie sich das anfühle.

Eine der extremsten Abschreckungsmaßnahmen war das fünfminütige Probeliegen in einem Sarg, zu dem manche Indonesier genötigt wurden.

Das erzeugte Schlagzeilen und viel mediale Aufmerksamkeit durch die internationale Presse. Daraufhin hat sich die indonesische Regierung dazu entschieden, Menschen nicht mehr auf diese Art zu strafen, berichtet Holger Stenzel.

"Die Legende sagt, wenn diese Toten, die Geister, die keine Ruhe gefunden haben, irgendwo an die Tür klopfen, dann werden diese Menschen bald eines sehr qualvollen oder mysteriösen Todes sterben."
Holger Senzel, ARD-Korrespondent für Südostasien