Nach einer Covid-19-Erkrankung berichten manche der Betroffenen, dass sie sich auch Wochen oder Monate später immer noch erschöpft fühlen. Anhaltende Müdigkeit ist eine der Spätfolgen der Coronavirus-Erkrankung. Ungewöhnlich sind solche Langzeitfolgen nicht. Sie treten bei vielen Viruserkrankungen auf.

"Long Covid" bezeichnet Symptome, die auch noch nach einer Covid-19-Erkrankung auftreten wie Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche oder fehlender Geruchs- und Geschmackssinn.

Viele Viren verursachen Spätfolgen

Durch die vielen Berichte über "Long Covid" entsteht der Eindruck, dass vor allem bei Covid-19 Spätfolgen auftreten. Tatsächlich verursachen viele Viruserkrankungen Spätfolgen. Oft sind diese der ursprünglichen Infektion nicht mehr zu zuordnen.

Medizinerinnen und Mediziner unterscheiden bei den Nachwirkungen Lang- und Kurzzeitfolgen. Kurzzeitzeitfolgen zeigen sich in einem Gefühl von Mattigkeit oder als Kopfschmerzen, die noch Wochen nach der Infektion auftreten.

Schwere Langzeitfolgen durch Viruserkrankung

Die Langzeitfolgen treten oft erst Jahre später auf. Auslöser kann eine Erkältung oder eine ausgewachsene Influenza sein, erklärt Wissenschaftsjournalist Michael Lange. Mögliche Langzeitfolgen:

  • Depressionen
  • Herzkrankheiten
  • Alzheimer
  • Nervenschäden
  • Entzündungen
"Im Prinzip kann jedes Virus, was in unserer Lunge zum Beispiel Ärger macht, später in einem anderen Organschäden verursachen."
Michael Lange, Wissenschaftsjournalist

Gut untersucht sind Herzmuskelentzündungen, wie Kardiologinnen und Kardiologen der Universität Tübingen in einer Studie schreiben.

Grundsätzlich können alle Viren Spätfolgen verursachen, vergleichsweise oft treten sie nach Infektionen mit Grippeviren auf, sagt der Wissenschaftsjournalist. Der Erreger der Ringelröteln, Parvovirus B19, bleibt nach einer Infektion ein Leben lang im Körper und kann zu schweren Herzentzündungen führen. In vielen Fällen wurde das Rötelnvirus allerdings erst nach dem Tod der Erkrankten nachgewiesen.

Immunsystem und Virenbekämpfung

Manche Viren bleiben in den Körperzellen und sind für eine unbestimmte Zeit inaktiv. Andere dämmt das Immunsystem beständig ein, damit sie sich nicht weiterverbreiten können.

Bekämpft das Immunsystem ein Virus und es ist weg, kann es passieren, dass das Immunsystem weiter reagiert. Dadurch können Entzündungen entstehen.

"Das heißt: Das Immunsystem, das die Viren immer noch bekämpft, obwohl sie nicht mehr da sind, ist eigentlich die Ursache für die Entzündung."
Michael Lange, Wissenschaftsjournalist