In der Eurozone ist die Inflationsrate im April negativ. Das heißt: Wir brauchen weniger Geld zum Leben. Davon hast du nichts gemerkt? Dann liegt das vielleicht an deiner "gefühlten Inflation".

Das Leben ist teuer, das wissen wir alle. Und die Preise steigen von Jahr zu Jahr - jedenfalls meinen das die meisten. Unser Reporter Martin Krinner hat auf der Straße nach der aktuellen Inflationsrate gefragt. Und zur Antwort bekommen: "drei Prozent", "vier Prozent", "oh Gott, sechs Prozent?".

Alles falsch. Denn wir haben im Moment keine Inflation. Die Inflationsrate in der Eurozone ist negativ. Sie liegt bei minus 0,1 Prozent. Das Leben sollte damit für uns ein klein bisschen billiger geworden sein. Jedenfalls nicht teurer. Bloß: Das merkt keiner.

Hunderttausende Preise und Produkte

Um die Inflation auszurechen, untersucht man die Preise für einen bestimmten Warenkorb mit strikt festgelegtem Inhalt. Da sind wahnsinnig viele Sachen drin: Um die 300.000 Einzelpreise werden dafür ermittelt - aber vielleicht nicht die Produkte, die du regelmäßig kaufst.

"Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex beinhaltet Verbrauchsgüter - zum Beispiel Kleidung und Schuhe - und Dienstleistungen - zum Beispiel Mieten oder die Preise in Restaurants. Aber auch andere Komponenten wie Energie, Alkohol und Tabakwaren."
Gerrit Köster, Volkswirtschaftler an der EZB Frankfurt

Vielleicht ist deine gefühlte Inflation höher. Oder sie ist es möglicherweise tatsächlich, weil du mehr Produkte konsumierst, die teurer geworden sind. "Es gibt so etwas wie eine gefühlte Inflation, dass wir selber beim Einkaufen immer das Gefühl haben, die Sachen sind teurer", sagt Wirtschaftsjournalist Günther Hetzke.

Aber: Auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes kann jetzt jeder im "Persönlichen Inflationsrechner" seine ganz persönliche Inflationsrate bestimmen: "So können Sie Ihre persönliche Teuerungs­rate abbilden und der amtlich ermittelten gegen­über­stellen", heißt es dort. Ob gefühlt teurer oder tatsächlich - das kann nun jeder selbst herausfinden.