Die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde schlagen ihre Infostände dort auf, wo Pegida und andere Rechtspopulisten gegen den Islam wettern. Sie wollen etwas tun gegen die Angst vor dem Islam: Miteinander reden.

"Muslime für Frieden" steht auf dem T-Shirt des jungen Mannes an dem blauen Stand in der Nähe des Leipziger Bahnhofs. Er und andere Muslime stehen in der Fußgängerzone und verteilen Flyer. Die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde wollen etwas tun gegen die diffuse Angst vor dem Islam. Extrem ist hier höchstens der Wunsch zum Dialog.

Gewalt durch Unwissen

Rashid Nawaz, Vorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinde in Leipzig, kennt sich mit Anfeindungen aus. Erst im Februar haben Unbekannte ein totes Ferkel auf das Baugrundstück ihrer geplanten Moschee gelegt und den Gebetsraum der Gemeinde mit Steinen beworfen. Allein im letzten Quartal 2015 gab es 24 Fälle, bei denen Moscheen verschmiert oder attackiert wurden. Eine Zahl mit steigender Tendenz.

"Den Extremfall haben wir in Zwickau erlebt. Wo wirklich die rechte Szene zu uns gekommen ist. Die haben uns gedroht, wenn wir wiederkommen, werden sie unseren Stand verbrennen."
Rashid Nawaz, Vorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinde in Leipzig

Für Rashid Nawaz sind die Angriffe eine Folge von Unwissen und Islamisierungsängsten. Mit seiner Gemeinde schlägt er die Infostände auch dort auf, wo Pegida und andere Rechtspopulisten gegen den Islam wettern. Sein Ziel: miteinander reden.

"Das ist ja hier ganz klar, dass Frieden und Toleranz mit allen gepflegt werden sollen. Find ich gut."
Eine Passantin in Leipzig

Die Ahmadiyya-Gemeinde gehört mit mehr als 35.000 Mitgliedern zu den größten muslimischen Vereinen in Deutschland. Sie glauben, dass der im Koran angekündigte Messias bereits erschienen ist. Das unterscheidet sie von anderen Muslimen. Was sie mit vielen eint: dass sie die Gewalt im Namen Allahs verurteilen. "Wir wollen mit ihnen diskutieren, dass der Koran Gewalt nicht vorschreibt, wie viele es behaupten", sagt Rashid Nawaz. Mit vielen Menschen kommt er ins Gespräch. Andere, die er nicht erreicht, verharren in ihrer Idee des Islam.

"Ich möchte mit denen abends nicht weggehen und die mit uns auch nicht, weil einfach die kulturellen Unterschiede viel zu groß sind. Wir haben einen ganzen anderen Stand, was unsere Frauen angeht. Wir sind keine Urmenschen mehr, wir haben Respekt, wir lassen Freiheiten."
Passant am Infostand in Leipzig

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