Die Studentin Anastasia Bushuewa verteidigt ihre Diplomarbeit an der Lomonossow, der größten und ältesten Universität Moskaus. Ihre These: Die Berichterstattung der Deutschen Welle gleicht der Propaganda der Nazis. Sie erhält die Bestnote fünf für diese Arbeit, trotz scharfer Kritik ihres Opponenten.

Die journalistische Fakultät der Lomonossow hat einen ausgezeichneten Ruf. Viele Größen des russischen Journalismus haben hier ihren Abschluss gemacht. Auch die 2006 ermordete russische Journalistin Anna Politkowskaja. Auch Anastasia Bushuewa will Journalistin werden. Heute soll sie ihre Diplomarbeit verteidigen. Ihr Thema: "Die Gestalt des Russlandbilds in deutschen Medien".

Exemplarisch hat sie sich dafür die Berichterstattung der Deutschen Welle ausgesucht. Neben der generellen Berichterstattung produziert der Sender seit März 2014 auch ein eigenes Nachrichtenmagazin. "Geofaktor aktuell" wird unter anderem beim kremlkritischen Moskauer Privatsender TV Dozhd ausgestrahlt.

"Ich glaub, dass es sehr aktuell ist! Jetzt, die Gestalt von Russland, ist nicht so positiv. Sondern sehr scharf, aggressiv, militärisch aktiv."
Anastasia Bushuewa
Anastasia Bushuewa steht auf einem Rednerpult vor einem Publikum im Hörsaal.
© Dominik Schottner | DRadio Wissen
Anastasia Bushuewa verteidigt ihre Diplomarbeit an der Lomonossow Universität. Sie will Journalistin werden.

Informationskrieg gegen Russland

Von März 2014 bis zum Ende des Sommers 2014 hat Anastasia Bushuewa jeden Tag Berichte der Deutschen Welle gelesen. Sie war schockiert davon, wie ihre Heimat in deutschen Medien dargestellt wird: Eine abstoßende Großmacht im Osten, die mit allen Mitteln versuche ihren Einfluss auf der Welt geltend zu machen. Und sie kommt zu dem Schluss, dass man die Methoden, die die Deutsche Welle bei ihrer Berichterstattung verwendet mit den Propaganda-Methoden im Dritten Reich vergleichen kann.

Eine ziemlich steile These, die aber nur in wenigen Gesichtern des anwesenden Publikums ein Stirnrunzeln hinterlässt. Nach den Ausführungen von Anastasia Bushuewa darf das Publikum ihr Fragen stellen. In Russland ist die Verteidigung einer Diplomarbeit eine öffentliche Veranstaltung, so dass nicht nur Universitätsangehörige dabei sind. Dann tritt Artem Lysenko ans Rednerpult. Er ist als Opponent bestimmt worden, hat Anastasias Arbeit gelesen und geprüft. Und er lässt kaum ein gutes Haar an der Arbeit.

"Wenn man sowas sagt, dann muss man viele Argumente dazu sagen, und diese Argumente hat sie nicht gut gemacht."
Artem Lysenko

Vor allem ihre These, die Berichterstattung der Deutschen Welle wäre in ihren Methoden mit der Nazi-Propaganda vergleichbar, zerreißt er in der Luft. Für die Behauptung, die sie in ihrer Arbeit aufstellt, liefere sie nicht die entsprechenden Belege. Sie hätte diese These am besten löschen sollen, meint er. Trotzdem schlägt er den Prüfern am Ende vor, Anastasias Diplomarbeit mit der Bestnote zu bewerten. Was ist da passiert?

Der Eingang der altehrwürdigen Universität
© Dominik Schottner | DRadio Wissen
Die Lomonossow Universität in Moskau, benannt nach dem großen russischen Aufklärer Michail Lomonossow.