Nordkorea nimmt immer wieder ausländische Bürger in Gefangenschaft. Momentan sitzen noch drei US-Bürger und ein kanadischer Staatsbürger dort in Haft. Sie alle wurden zu mehreren Jahren Arbeitslager verurteilt. Was bezweckt Nordkorea mit dem Festsetzen von Ausländern? 

Der Journalist Peter Kujath hat viele Jahre als Korrespondent in Tokio gearbeitet und sich während seiner Tätigkeit auch immer wieder mit Nordkorea beschäftigt. Mit der Inhaftierung ausländischer Staatsbürger verfolgt das Regime in Nordkorea strategische Ziele, vermutet er:

"Sie haben das eigentlich immer benutzt, um hochrangigen Besuch ins Land zu holen, um zu signalisieren, wir sind doch nicht so abgeschottet."
Peter Kujath, Journalist und ehemaliger Korrespondent in Tokio

Es sei klar, dass Nordkorea mit den Verhaftungen ausländischer Bürger ein Verhandlungspfand in der Hand haben will, sagt der Journalist. Mit den hohen Haftstrafen wolle man sich die Verhandlungsfenster möglichst lange offenhalten, so Kujath. Meist werden die Angeklagten zur Zwangsarbeit in Arbeitslagern verurteilt, doch will Nordkorea sein Faustpfand nicht aufs Spiel setzen:

"Die ausländischen Inhaftierten werden in der Regel deutlich besser behandelt als nordkoreanische Inhaftierte. Es ist nicht so, dass die dann wirklich harte Arbeit vollziehen müssen."
Peter Kujath, Journalist und ehemaliger Korrespondent in Tokio

Auf keinen Fall wolle Nordkorea den Todesfall eines Ausländers im eigenen Land riskieren. Das sei auch der Grund, warum das Land den jungen Studenten Otto Warmbier aus angeblich humanitären Gründen noch im Wachkoma in die USA hat ausfliegen lassen, vermutet Kujath. 

Der Tod Warmbiers nur ein Unfall?

Wenige Tage nach seiner Auslieferung ist Otto Warmbier in den USA verstorben. Auch wenn die Wahrheit über die Todesursache wahrscheinlich nie ans Licht kommen wird, an eine Ermordung durch das nordkoreanische Regime glaubt Kujath nicht: "Es war ihnen wichtig, das Faustpfand zu haben und da bringt ihnen nur ein lebendiges Faustpfand etwas", sagt er.

"Ich glaube, es ist eher ein Unfall, als dass Nordkorea das völlig egal ist, ob da jemand stirbt oder nicht."
Peter Kujath, Journalist und ehemaliger Korrespondent in Tokio

Kürzlich erst hatte US-Präsident Donald Trump Signale gegeben, den Dikator Kim Jong Un zu treffen. Die Auslieferung Warmbiers vor seinem Tod interpretiert Kujath deshalb auch als ein deutliches Signal von Nordkorea, sich auf ein mögliches Gesprächsangebot einlassen zu wollen.