Vieles in unserem Leben machen wir aus Routine oder aus Pflichtgefühl. Seit zwei Monaten ist das anders. Wir haben nun Zeit, herauszufinden, was uns wirklich wichtig ist.

Der Job, der uns seit Monaten nur noch nervt, die Beziehung, die uns längst nichts mehr gibt, sondern nur noch fordert oder die Verabredung, auf die wir so gar keine Lust haben. All das können Dinge sein, die wir vor der Corona-Pandemie so hingenommen haben. Dinge, die uns zwar belastet haben, die wir aber schön verdrängt haben, weil wir keine Zeit dafür hatten, uns auch noch damit auseinanderzusetzen. Doch seit zwei Monaten ist alles anders, die Krise hat in vielen unserer Lebensbereiche die Pausentaste gedrückt – und wir haben nun Zeit unser Leben zu überdenken.

Das Leben der Berliner DJ Sarah Wild bestand vor Corona aus stundenlangen Zugfahrten oder Flugreisen mit kurzen Abstechern ins Studio. Sie hatte nur wenige Pausen und so gut wie nie ein freies Wochenende. Inzwischen hat sich ihr Leben ziemlich verändert, wie sie sagt. "Mir ist in den letzten zwei Monaten der Corona-Krise klar geworden, dass ich immer zu allem Ja gesagt habe, ich konnte nie Nein sagen. Ich habe gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann."

Wir können nur schwer Innehalten

Doch warum fällt uns das Innehalten so schwer? Kataharina Horvath ist Coachin und sieht die Erklärung dafür in unseren Gehirnen. "Wir haben sehr aktive Hirne und leben in einer Gesellschaft, in der viel auf Leistung gesetzt wird. Deswegen ist es ganz häufig so, dass wir etwas hinterherhetzen, statt einfach nur mit dem zufrieden zu sein, was gerade im Moment passiert."

Anne Sallanz arbeitet seit zwölf Jahren als Bestatterin. Den Großteil ihres Arbeitsalltags verbringt sie dabei mit den Hinterbliebenen der verstorbenen Personen, denn dort fällt für sie die meiste Arbeit an. Doch aus der Sterbebegleitung weiß die 29-Jährige, was wir alles von Sterbenden über das Leben lernen können.

"Ich habe gelernt im Hier und Jetzt zu leben und das auch intensiver zu spüren."
Anne Sallanz, Besttaterin