Bertolt Meyer erzeugt Musik durch seine Gedanken. Er hat seine Armprothese umgebaut und kann sie jetzt direkt mit dem Synthesizer verbinden. Nun steuert er Klänge, Rhythmen und Effekte mit Impulsen seiner Muskeln.

Eigentlich trägt Bertolt Meyer an seinem linken Unterarm eine Handprothese. Nicht aber, wenn er Musik macht. Denn um den Synthesizer zu bedienen, braucht Bertolt an seinem linken Arm weder eine Hand noch Finger. Er schließt seine Prothese mit einem selbst gebauten Adapter direkt an den Synthesizer an. Eigentlich werden die ankommenden Muskelsignale konvertiert, um die Handprothese öffnen und schließen zu können. Wenn Bertolt aber direkt mit dem Musikinstrument verbunden ist, werden die Muskelströme in den Synthesizer transferiert und so entstehen Töne.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

"Ich habe gelernt, die Muskelsignale so zu produzieren, dass ich darüber nicht mehr bewusst nachdenken muss. Es passiert einfach."
Bertolt Meyer, DJ

Techno aus der Hightech-Prothese

Es sind keine Gedanken, die in den Synthesizer übertragen werden, erzählt Bertolt. Es sind die Signale des Muskels in seinem Armstumpf. Seine Technik hat sich mittlerweile automatisiert. Sei über einem Jahrzehnt macht er jetzt schon elektronische Musik. Er hat ein Gefühl dafür entwickelt, die Signale seines Körpers zu steuern. Einen höheren oder tieferen Ton zu spielen, sei für ihn mittlerweile sehr leicht.

"Das fühlt sich total toll und absurd an, weil es so wahnsinnig direkt ist."
Bertolt Meyer, DJ
Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Heute ist Bertolt zufrieden mit seiner Prothese – nicht nur weil er damit musizieren kann, sondern zudem, weil sie neben der Funktionalität auch seinen ästhetischen Ansprüchen gerecht wird. Bertolt kam ohne linken Unterarm zur Welt. Lange hat er keine Prothese getragen. Während des Studiums bekommt er dann die erste hautfarbene Prothese, die wie ein Greifarm einige Finger elektronisch bewegen konnte. Ein erster Fortschritt, doch die Scham und die bemitleidenden Blicke in der Öffentlichkeit blieben.

"Ich habe mich immer nach einer Prothese gesehnt, die eine gute Funktionalität mit guter Ästhetik verbindet."
Bertolt Meyer, DJ

Funktional und ästhetisch

2009 kam dann endlich die erste Handprothese auf den Markt, die Bertolt überzeugt. Ein kleines Start-up mit nur fünf Mitarbeitern hat die Prothese entwickelt, erzählt er bei Deutschlandfunk Nova. Er ist sofort begeistert: Die Hand schaut cool aus, sagt er, außerdem sind alle Finger beweglich. Insgesamt sechs kleine Elektromotoren machen das möglich. Außerdem kann er wählen zwischen einem hautfarbenen oder transparenten Gummihandschuh als Überzug. Bertolt entscheidet sich für die transparente Version, damit jeder die Technik sehen kann. Für ihn ist das ein "Fest der Ingenieurkunst", die nicht versteckt werden muss.

"Mein Körper entspricht nicht der Norm und ich sehe es nicht ein, mir Mühe zu geben, meinen Körper ästhetisch an die Norm anzupassen."
Bertolt Meyer, DJ
Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Die Prothese ist Teil seines Selbstbildes. Jede Behinderung mache eine Teil der Persönlichkeit aus, sagt Bertolt. Wie die Menschen darauf reagieren, präge eine Person mit Behinderung sehr. Seitdem er die Hightech-Prothese mit dem transparenten Gummihandschuh trägt, haben sich die Reaktionen verändert. Die Menschen finden die Technik interessant, erzählt er. Dadurch sei er selbstbewusster geworden. Er plädiert dafür, die Vielfalt in unserer Gesellschaft noch mehr zu zelebrieren. Seine Behinderung zu verstecken sei deshalb keine Option für ihn. Sein Körper entspricht nicht der Norm – und das ist auch gut so, sagt Bertolt.