Seacell, Econyl oder Orange Fiber – mit diesen Stoffen werben derzeit viele Modefirmen, denn diese Fasern sollen nachhaltiger sein. Das stimmt auch. Dennoch bleibt der Wasser- und Energieverbrauch der Branche hoch.

Die Textilindustrie hat ein großes Problem mit ihrer Klimabilanz. Kunststofffasern werden aus Erdöl hergestellt und der Anbau von Baumwolle findet derzeit überwiegend in Monokulturen statt, die sehr viel Fläche und Wasser benötigen, die wiederum für den Lebensmittelanbau genutzt werden könnten. Zudem setzen die Landwirte beim Anbau oft sehr viele Umweltgifte ein.

Innovative und nachhaltige Stoffe müssen also her. Derzeit werben deshalb viele Modefirmen mit Seacell, Econyl oder Orange Fiber. Diese Fasern bestehen aus einem Material, das nicht neu produziert oder angebaut werden muss, sondern aus den Resten, die in anderen Industrien entstehen, hergestellt wird.

Aus alt mach neu

Econyl besteht beispielsweise aus recyceltem Nylon. Entwickelt wurde das Material von der italienischen Firma Aquafil, die auf der ganzen Welt Restmaterial aus Nylon einsammelt. Materialien wie alte Fischernetze, Teppichböden oder andere Stoffreste, die in der Textilproduktion anfallen, werden dann gereinigt und zu neuem Garn gesponnen, der wieder für neue Produkte eingesetzt werden kann. Econyl ist also ein Ersatz für normale Kunststofffasern und wird beispielsweise für Bademode, Strumpfhosen oder bei der Innenausstattung von Autos verwendet.

"Econyl ist recyceltes Nylon. Es ersetzt also normale Kunststofffasern."
Katja Scherer, Wirtschaftsjournalistin

Ein Test von Wirtschaftsjournalistin Katja Scherer zeigt: Ein Bikini aus Econyl fühlt sich kaum anders als ein Bikini aus herkömmlichen Kunststoffen.

Alternativen zu Baumwolle

Eine Alternative zu Baumwolle ist beispielsweise Seacell. Dieses Material wird nach dem Lyocell-Verfahren hergestellt. In diesem Verfahren wird aus Holz wie dem der Buchen oder Eukalyptus-Bäumen der Zellstoff extrahiert, der aussieht wie kleine weiße Fasern. Diese werden dann mithilfe von Lösungsmitteln zu fertigen Textilfasern verarbeitet.

Im Fall von Seacell werden bei der Faserherstellung gemahlene isländische Meeresalgen eingearbeitet und das Holz stammt aus Resten der Möbelindustrie. Ein Schlafanzug, der zu einem Drittel aus Seacell besteht, kann allerdings aufgrund des speziellen Materials um die 170 Euro kosten. Und wie fühlt sich ein Schlafanzug an, der zum Teil aus Holz besteht? Katja Scherer sagt: "Sehr leicht und seidig und trotzdem warm."

Neben Seacell ist auch Orange Fiber eine Baumwollalternative. Hier wird der Zellstoff für die Faser aber nicht aus Holz, sondern aus Orangenschalen gewonnen, die als Abfallprodukt in der Orangensaftindustrie anfallen.

Es ist ein Anfang

Kai Nebel, der an der Hochschule Reutlingen als Textilingenieur forscht, findet die neuen Entwicklungen sinnvoll. Er sieht die Vorteile vor allem darin, dass keine extra Flächen für den Anbau der Stoffe anfallen, wie es bei der Baumwolle der Fall ist. Und wenn die Rohstoffe bei der Lyocellgewinnung aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen, dann seien Stoffe wie Seacell oder Orange Fiber "im Großen und Ganzen eine nachhaltige Faser".

Doch ganz makellos ist die Klimabilanz der innovativen Stoffe auch nicht. Denn auch die Verfahren, in denen Stoffe wie Seacell hergestellt werden, benötigen Chemie, Energie und Wasser. Für Katja Scherer sind die Stoffe deshalb eine sinnvolle Ergänzung. Um wirklich nachhaltig zu werden, müsse die Branche aber noch einiges mehr tun.