Viskose und Lyocell sind die ökologisch und technisch besseren Alternativen zu Kunstfasern und Baumwolle. Speziell Lyocell hat viele Vorteile - löst aber nicht das größte Problem der Textilindustrie.

Die meisten Klamotten bestehen aus Baumwolle, Kunstfasern oder eine Mischung aus beidem. Und beides hat Nachteile:

Kunstfasern (z.B. Polyester) basieren auf Erdöl und sind nicht biologisch abbaubar, sie können zu Mikroplastik in der Umwelt führen. Baumwolle nimmt Feuchtigkeit auf, reißt und scheuert durch. Für alle Kleidungsstücke, die stark beansprucht werden oder feuchtigkeitsregulierend wirken sollen, ist Baumwolle also weniger geeignet.

Alternativen: Fasern auf Basis von Holz

Als Alternativen zu Baumwolle und synthetischen Fasern haben sich Fasern auf Basis von Holz etabliert - die sind vielseitig, erfüllen hohe technische Standards und sind biologisch abbaubar. Am Markt erhältlich sind zwei: Viskose und Lyocell. (Die Stoffe heißen je nach Variante und Anbieter anders.)

Speziell Viskose ist ökologisch aber auch nicht einwandfrei. Um die weichen Fasern herstellen zu können, wird viel Chemie gebraucht. Außerdem fallen Abfallstoffe an, mit denen niemand etwas anfangen kann.

Die aus ökologischer Sicht weiterentwickelte Alternative zu Viskose ist Lyocell.

In Outdoorkleidung und Unterwäsche

Das neue Verfahren für Lyocell kommt mit deutlich weniger schädlichen Mitteln aus, weil die Chemikalien in der Fabrik immer wieder verwendet werden können.

Ein weiterer Vorteil von Lyocell gegenüber der Schwester Viscose ist die vielseitigere Einsetzbarkeit. Es lässt sich nämlich im Verarbeitungsprozess beeinflussen, ob dünne oder dicke Fasern hergestellt werden sollen, erklärt Textilingenieur Kai Nebel von der FH Reutlingen. Lyocellfasern können also in Jeans und Outdoorkleidung stecken, aber auch in Unterwäsche oder anderen weichen Stoffen.

"Lyocell ist eine Alternative zu Baumwolle, weil es eine Faser zellulosischen Ursprungs ist, die dann auch biologisch abbaubar ist. Wir haben also das Problem des Mikroplastik nicht mehr so sehr."
Kai Nebel, Textilingenieur an der FH Reutlingen

Klamotten aus Lyocell nicht ganz billig. Sie liegen etwa im gleichen Preissegment wie fair gehandelte Baumwolle. T-Shirts können also zwischen 35 und 70 Euro kosten, Hosen um die 100 Euro.

Trotzdem sieht Kai Nebel in der Faser großes Potenzial. Zum einen wegen ihrer guten Ökobilanz und zum anderen wegen des Rohstoffs Holz, von dem wir in Europa noch einiges zur Verfügung haben.

"Lyocellfasern sind auf jeden Fall zukünftsträchtig, weil wir doch relativ große Mengen an Holz oder zellulosische Rohstoffe zur Verfügung haben."
Kai Nebel, Textilingenieur an der FH Reutlingen

Lyocell kann das Klima auch nicht retten

Um das Klima zu retten, reicht die Erfindung von Lyocell aber nicht aus. Das größte Problem: Die schiere Mengen an Textilien, die jedes Jahr produziert werden (und die niemals alle aus Lyocell gefertigt werden könnten).

Kai Nebel spricht von 150 Milliarden neuen Kleidungsstücken, die laut Prognosen nächstes Jahr produziert werden würden. Davon würden viele unbenutzt im Kleiderschrank landen oder erst gar nicht verkauft werden.

Schätzungen zufolge produziert die Textilindustrie mehr Treibhausgase als der weltweite Flug- und Schiffsverkehr zusammen.

"Ein gutes Drittel der produzierten Kleidungsstücke wird erst gar nicht verkauft, und das was gekauft wird, wird nicht genutzt, das hängt vielleicht eine Weile im Kleiderschrank und fliegt dann in den Altkleidercontainer."
Kai Nebel, Textilingenieur an der FH Reutlingen

Wer dem Klima also wirklich etwas Gutes tun will, sollte nicht nur auf Kleidungsstücke aus schädlichen Stoffen verzichten, sondern am besten einfach weniger Klamotten kaufen.