Im María-Luisa-Park in Sevilla kämpfen jeden Abend zwei völlig unterschiedlichen Tiergruppen gegeneinander. Papageien treten gegen Fledermäuse an - und sorgen regelmäßig für Tote und Verletzte.

Halsbandsittiche und Riesenabendsegler bekriegen sich jeden Abend bis aufs Blut. Sie kämpfen um Wohnraum in Baumhöhlen. Die Fledermäuse beanspruchen die Baumhöhlen als Bruthöhle und als Sommerquartier, in das sie sich tagsüber zurückziehen können. Die Halsbandsittiche wollen die Baumhöhlen in der gleichen Jahreszeit ebenfalls als Bruthöhle nutzen.

Halsbandsittich vs. Abendsegler

Der Riesenabendsegler ist die größte europäische Fledermaus. Wenn sie ihre Flügel ausbreitet, ist sie 50 Zentimeter breit. Er frisst, neben den üblichen Insekten, vor allem zur Zeit des Vogelzuges, kleine Singvögel, wie etwa Rotschwänzchen oder Rotkehlchen, die er als geschickter Jäger in der Luft erbeutet.

Riesenabendsegler
Riesenabendsegler

Halsbandsittiche kennen wir auch aus vielen deutschen Städten: In Europa leben mittlerweile etwa 100.000 der grüngelben Vögel, die einen schwarzen Streifen unter dem Kinn haben. Im María-Luisa-Park in Sevilla leben so viele der Papageien, wie nirgendwo sonst. In den vergangenen 14 Jahren hat sich die Population verzwanzigfacht. Gleichzeitig leben immer weniger der Fledermäuse dort, halb so viele wie vor fünf Jahren. Schuld daran sind die Halsbandsittiche, die die Fledermäuse aus den angestammten Baumhöhlen rauswerfen. 

Drei Stunden vor Sonnenuntergang fliegen die Papageien zum Eingang der Höhle und attackieren die Abendsegler, denen sie klar überlegen sind. Am nächsten Morgen finden Bewohner oft tote oder schwer verletzte Fledermäuse im Park. Um das zu verhindern, haben Feldermausschützer Kästen als künstliche Bruthöhlen aufgehängt. Allerdings ohne Erfolg. 

"Die Zukunft der Riesenabendseglerkolonie im María Luisa Park, übrigens die größte in ganz Europa, sieht also alles andere als rosig aus."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk Nova

In Deutschland ist die Situation anders. In Köln, Mainz, Mannheim leben mittlerweile auch zusammen über 30.000 Halsbandsittiche. Dafür aber keine Riesenabendsegler. In deutschen Parks leben andere Fledermausarten und auch höhlenbrütende Vögel, wie etwa Spechte oder Kleiber. Naturschützer fürchten, dass die bekanntermaßen durchsetzungsfähigen Halsbandsittiche diesen Tieren den Wohnraum streitig machen werden, wenn sie sich noch weiter vermehren. 

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