Es krabbelt auf dem Bein, summt im Ohr und hat oft mehr als vier Beine. Die Rede ist von Insekten, Fliegen, Moskitos, Käfern und natürlich auch Spinnen. Beine zählen kann helfen, genauere Auskünfte geben Apps. Wir haben drei davon getestet.

Es ist groß, hat Flügel und vielleicht einen Stachel

Wie die meisten von uns, hat auch unsere Reporterin Lena Breuer keine Ahnung, um welche Wesen es sich genau handelt, die nun zunehmend draußen unterwegs sind. Sie fliegen, summen, krabbeln und haben mindestens sechs Beine. Taucht eins von ihnen auf, ist sie da: die Sorge, dass das Insekt beißt oder sticht. Und selbst dann, wenn es gar nichts macht, möchten wir es so schnell wie möglich loswerden. Wie das fliegende Ding von neulich, das auf dem Bein unserer Autorin gelandet ist. Es war groß, hat Flügel und vielleicht einen Stachel. Mit Hilfe von drei Apps versucht unsere Autorin herauszufinden, um was genau es sich handeln könnte.

Drei kostenfreie Apps im Test auf der Wiese

Bei der App iSchädling des kommerziellen Unternehmens Rentokil soll ein so genannter "Schädlingsscan" durchgeführt werden, um ein Insekt identifizieren zu können. Was gut klingt, bedeutet in der Praxis: Foto des Insekts schießen, per App hochladen, abschicken und auf eine Antwort warten. Das kann nach Angabe der Betreiber der App bis zu zwei Tagen dauern und ist damit keine Lösung für schnelle Erkenntnisse.

App zur Bestimmung von Schädlingen
© DRadio Wissen
iSchädling-App, Screenshots Auswahl

Die zweite App "Nützlinge im Garten" wird vom aid infodienst Ernährung und Landwirtschaft e.V. betrieben. Bei dieser App wird nach Kategorien wie Anzahl der Beine oder Anzahl der Flügel nach dem Ausschlussprinzip gearbeitet. Als Ergebnis landet der Anwender schließlich bei gezeichneten Bildern in Schwarz-Weiß, die die Bestimmung ermöglichen sollen. Ganz zufriedenstellend ist diese Methode nach Meinung unserer Autorin daher leider nicht.

Screenshots der App Nuetzlinge im Garten
© DRadio Wissen
Screenshots App Nützlinge im Garten, Auswahl

Die dritte App heißt "Anymals and plants" und stammt von der Schweizer Terra Explora Foundation. Diese App funktioniert bei unserem Freilufttest leider gar nicht, denn sie benötigt WLAN und das ist auf der Wiese, auf der der Test stattfindet, nicht verfügbar.

App Anymals and plants
© terraexplora.ch , DRadio Wissen
Screenshots der App "Anymals and Plants"

Was sagt ein Wissenschaftler zu den Apps?

Nach dem Selbsttest der Apps bitten wir den Biologen Ximo Megual nach seiner Meinung. Er ist Leiter einer Forschungsgruppe am zoologischen Forschungsmuseum König in Bonn.

Museum König in Bonn und Biologe Ximo Mengual
Screenshots der App "Anymals and Plants"

Die Forschungsgruppe entwickelt auch selbst eine Insektenapp und Ximo Megual identifiziert das geflügelte Insekt, das auf Lenas Bein gelandet ist, natürlich sofort. Und zwar als Schnake.

Das ist eine Tipulidae, also eine Schnake. Oder auch Schneider. Es ist männlich und gehört zu den großen flugfähigen Insekten, ungefähr wie Moskitos. Aber die beißen nicht, gar nicht. Weder die männlichen noch die weiblichen. Also kein Problem.“
Ximo Megual, Museum König

Nach seiner Meinung ist "iSchädling" keine App, die Wissen vermittelt, sondern eher eine Art Forum. Man stellt eine Frage in Form des "Schädlingsscans" und das Unternehmen antwortet. Interaktiv ist diese Funktion nicht. Die Analyse und Bestimmung kam per Mail und das Ergebnis war richtig.

Die beiden Apps "Nützlinge im Garten" und "Anymals and plants" findet Ximo Megual besser. Weil die Nutzer im Umgang damit lernen würden, das Tier zu bestimmen. Und das hilft seiner Meinung nach am besten gegen Unsicherheit und Angst vor den Mehrbeinern, die draußen unterwegs sind.