In den Niederlanden entsteht eine große Anlage zur Züchtung von Fliegenlarven. So soll auf Basis von Lebensmittelresten Futter für Tiere produziert werden.

Die Schweizer Firma Bühler Insect Technology baut zusammen mit dem Partner Protix in den Niederlanden eine industrielle Anlage zur Verarbeitung von Insekten für die Tierernährung. Der Beginn des Betriebs ist für 2018 geplant.

In der Fabrik sollen Larven der Schwarzen Soldatenfliege gezüchtet werden. Die sollen dann weiterverarbeitet als Tierfutter für Geflügel, Schweine, Fische und Haustiere dienen.

"Die Schwarze-Soldatenfliege-Larve ist eine regionale Möglichkeit, nachhaltig auf zum Beispiel Lebensmittelresten eine qualitativ hochwertige Proteinquelle zu erzeugen."
Birgit Rumpold, Lebensmitteltechnologin an der TU Berlin

Die Larve der Schwarzen Soldatenfliege eigne sich sehr gut als Tierfutter, sagt Birgit Rumpold, Lebensmitteltechnologin an der TU Berlin. Zum einen hätte sie kurze Entwicklungszeiten, zum anderen sei die Proteinzusammensetzung sehr vorteilhaft, und das Protein hätte eine hohe Qualität.

Aus Ressourcensicht wäre es am sinnvollsten, wir würden vegetarisch leben und Tieren wie Rindern und Schweinen gar nichts verfüttern. Da das auf absehbare Zeit nicht realistisch ist, kann die Verwendung von Larven sinnvoll sein:

  • Als Ersatz für Fischmehl, dessen Produktion den ohnehin schon kritischen Fischbestand in den Weltmeeren gefährdet
  • Als Ersatz für Soja, für dessen Anbau zum Beispiel in Brasilien Regenwälder abgeholzt werden

Das Unternehmen Bühler Insect Technology plant, die Insektenlarven auch mit Nebenprodukten aus lokalen Brennereien, Lebensmittelbetrieben und Gemüsesammelstellen in den Niederlanden zu füttern.

Nach heutiger Regelung darf das Proteinmehl in Katzen- und Hundefutter sowie in Fischfutter eingesetzt werden. Das Insektenfett ist für Heimtiere, Fische, Hühner und Schweine zugelassen.

Insekten bald in Lebensmitteln zulässig

Larven und auf Larven basierendes, weiterverarbeitetes Tierfutter Masttieren zu verfüttern, ist bisher in der EU verboten, auch aus Sorge vor BSE. Birgit Rumpold hält diese Sorge für nicht gerechtfertigt. Die Insekten seien von Kühen und Schweinen genetisch zu weit entfernt als dass eine relevant hohe Gefahr bestünde. Hühner und andere Geflügeltiere würden in der freien Natur zudem auch Insekten fressen.

Aber: Die Einarbeitung von Insekten in Lebensmittel für den Menschen wird ab 2018 zulässig sein.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Bundesinstitut für Risikobewertung vermuten die meisten Deutschen keine gesundheitlichen Risiken durch den Verzehr von Insekten, wünschen sich aber mehr Informationen dazu, bevor sie Insekten essen würden.