Daryl Aiden Jau, Social-Media-Influencer aus Singapur, hat Stock-Fotos - also Massenware aus Bilddatenbanken - in seinem Instagram-Account als eigene Aufnahmen gepostet. Dafür erntet er jetzt Hohn und Spott.

Social-Media-Influencer steht auf der Hitliste der angesagten Traumjobs ziemlich weit oben: Glamour und Geld verdienen - und das mit vermeintlich oder auch tatsächlich relativ wenig Aufwand. Populär muss man werden und eine Message haben. Wenn sich Message und Image dann allerdings als gefaked herausstellen, ist das peinlich – und extrem geschäftsschädigend.

Der Fall von Daryl Aiden Yow war ein ziemlich übles No-Go, sagt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat. Yow postet auf Instagram nämlich nicht über Backrezepte oder Basketball, sondern tritt dort als professioneller Fotograf und Filmer auf.

"Er featured und promotet bei seinen Postings also neben Angaben zur glamourösen Location auch die technischen Details zum jeweils verwendeten Kameramodell und den Einstellungen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Er hat über 100.000 Follower und Kooperationsverträge mit namhaften Kamera-Herstellern wie Sony und Oppo, die seine Fotos in Werbekampagnen verwenden. Wenn einer wie er dann unkommentiert Stock-Fotos veröffentlicht, ist das natürlich besonders pikant.

Aufnahmen geklaut und bearbeitet

Daryl Aiden Yow hat heftig geschummelt, wie die Nachrichtenseite Mothership aufgedeckt hat. Die Seite bringt ein Dutzend Beispiele, wo Yow Fotos entweder schlichtweg von anderen Instagrammern geklaut hat, oder wo er eben auf Stock-Massenware zurückgreift: Ein Foto der griechischen Insel Santorini, promotet mit dem Text "wurde mit der Sony A7RII aufgenommen" stammt etwa vom Bildanbieter Shutterstock. 

Yow hat das noch ein bisschen zurechtgeschnitten und die Farben in Photoshop nachbearbeitet. Außerdem hat er sich auch in Stock-Fotos reinretuschiert, wie Mothership anhand des Originalfotos zeigen kann.

Influencer verteidigt sich

Daryl Aiden Yow hat inzwischen auf die Plagiats- und Fake-Vorwürfe reagiert – und sich verteidigt: In einem Interview mit der Newsseite "mustsharenews" hat er versucht, sein Verhalten herunterzuspielen: 

  • es sei legitim, ab und zu Stock-Fotos zu verwenden – seine Follower und seine Werbepartner würden das auch wissen
  • er habe die Stockfotos ja schließlich auch bezahlt – und die Verwendung jeweils angegeben 

Mothership hat dann aber noch mal nachgelegt mit weiteren Fake-Beispielen. Außerdem haben sie explizit ins Shutterstock-Kleingedruckte reingeschaut: Laut deren Lizenz ist es eben nicht erlaubt, die Fotos zu kommerziellen Zwecken zu verwenden und so zu bearbeiten, wie Yow das getan hat. 

Einen Tag später hat Yow dann wohl eingesehen, dass er sich in eine üble Sache reingeritten hat – und hat sich entschuldigt: Es täte ihm leid, seine Follower und Werbepartner enttäuscht zu haben.

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Sony prüft weitere Zusammenarbeit

Sony hat angekündigt, den Fall zu prüfen. Für Spott und Häme im Netz ist jedenfalls schon gesorgt, da gibt es mittlerweile diverse Re-Fakes der Fakes von Yow, in denen sich andere Leute an die Locations gephotoshoppt haben, die Yow verwendet hat. 

Ein Motiv dient sogar als Werbung für eine Griechenlandreise: Die Stelle mit dem gefakten Yow ist dort als leerer Umriss retuschiert, dazu gibt es den Text: "Füge dich hier ein – in der Wirklichkeit".