Schmetterlinge auf den Wangen - das war gestern! Seit Userinnern und User ihre selbstgebauten Filter auf Instagram hochladen können, hat sich die Auswahl nicht nur vervielfacht, sie ist auch künstlerischer geworden.

Filter, die die Haarfarbe anpassen, die das Gesicht durch den Himmel schweben lassen, oder die einem sagen, welcher CDU-Politiker man ist - das Angebot an Filtern auf Instagram ist enorm gewachsen, seit der Instagram-Mutterkonzern Facebook die Software zur Erstellung von Filtern kostenfrei im Netz bereitgestellt hat.

Damit hat sich eine neue Art von Künstlern etabliert: die Filterkünstler. Gleichzeitig haben auch große Firmen das Potential von Filtern als Marketingtools erkannt. Die Grenzen zwischen Kunst und Werbung scheinen fließend zu sein.

Augmented-Reality-Filter als Kunst

Aleksey Efremow aus Moskau ist einer der Filterkünstler. Unter dem Usernamen solar.w lädt er künstlerische Augmented-Reality--Filter auf Instagram hoch und präsentiert diese auch auf seinem Account. Seine Arbeit hat er bereits unter anderem auf der Biennale der Digitalkunst in Montreal ausgestellt.

Zum Beispiel den Filter Ariadna: Wer ihn benutzt, sieht plötzlich weiß glitzernde, dünne Fäden, die sich über das Gesicht und die Wangenknochen verteilen. Blinzelt man, erscheinen statt der eigenen Pupillen nur noch eine weiß glänzende Fläche in den Augen.

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Für Aleksey ist diese Art der Videokunst auf Instagram so beliebt, da sie Künstlerinnen und Künstlern eine kostenlose Möglichkeit bietet, sich kreativ mit Augmented Reality auseinanderzusetzen.

"Diese Filter sind eine einfache Art und Weise, künstlerisch mit Augmented Reality zu arbeiten. Und bei Instagram bekommt man aktuell am leichtesten die Tools, die man braucht, um solche Filter einfach zu erstellen."
Aleksey Efremow, Filterkünstler aus Moskau

Durch Augmented Reality wird das Bild, das die Handykamera sieht, virtuell verändert und erweitert. In einem anderen Filter von Aleksey löst sich beispielsweise das Gesicht vom Kopf ab und schwebt vor ihm her, während am Kopf selbst nur noch eine neongrüne Fläche zu sehen ist.

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Soziale Interaktionen durch Filter

Der Filterkünstler Aleksey hat zudem das Gefühl, dass der kreative Umgang mit den AR-Filtern die sozialen Interaktionen beeinflusse. Darüber macht sich auch die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout Gedanken, die an der Universität Siegen zu Interkultur forscht. Sie hat den Eindruck, dass das Gesicht an sich durch die sozialen Medien viel wichtiger geworden sei.

"Ich glaube, dass durch die sozialen Medien ohnehin das Gesicht extrem an Bedeutung gewonnen hat."
Annekathrin Kohout, Kulturwissenschaftlerin

Für Annekathrin Kohout geht es bei den Filtern aber nicht nur darum, kreativ zu sein. Für die Userinnen und User stellten die Filter auch eine Art Schutz oder Maske dar. Sie machten es leichter an Social Media teilzunehmen ohne gleich das Innerste der Seele preisgeben zu müssen.

"Ich würde sagen, da sind die Filter ein Schutz, dienen als eine Art Maske, sozusagen dieses Fenster zur Seele nicht allzu weit zu öffnen."
Annekathrin Kohout, Kulturwissenschaftlerin

Das sei besonders jetzt zur Coronazeit, in der die meiste Kommunikation virtuell stattfinde, ein hilfreiches Mittel für viele Userinnen und User.

Filter als Marketingtools

Andere sehen in den Filtern nicht nur eine künstlerische oder kommunikative Funktion, sondern auch schlichtweg eine Möglichkeit, Business zu betreiben. So kann man sich beispielsweise auch in das Cover der Vogue oder in einen Himmel aus Nike-Logos hineinmontieren. Denn: Filter bringen Reichweite und können deshalb ein wichtiges Marketing-Tool sein.

Eine Möglichkeit, um mit Filtern direkt Geld zu verdienen, zeigt die deutsche Influencerin Carmen Kroll aus Köln auf. Sie erstellt nicht nur Augmented-Reality-Filter, sondern auch Foto-Filter, die die Landschaft oder das eigene Gesicht samtiger aussehen lassen.

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Dem Webmagazin OMR hat Carmen in einem Interview gesagt, dass ihre Filter in nur sechs Monaten 15 Milliarden Views erreicht hätten. Die Presets ihrer Foto-Filter verkauft sie, sodass Userinnen und User die Filter auch außerhalb von Instagram benutzen können.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Filter-Künstler Aleksey Efremov hat mit seinen Werken immerhin schon eine Milliarde Views erreicht. Doch für ihn bleiben die Filter erstmal Kunst.

Ob sich Filter in naher Zukunft zu einer eigenen Kunstgattung entwickeln, kann Annekathrin Kohout noch nicht abschätzen, denn die Grenzen zwischen Kunst und Nicht-Kunst seien fließend. Die Entwicklung stehe hier noch sehr am Anfang.

"Ich denke schon, dass es das im Allgemeinen auch da die Grenzen zwischen Kunst und Nicht-Kunst, auch zwischen Kunst und Werbung oder Kunst und Aktivismus - die lösen sich überall tendenziell auf. So auch bei diesen Filtern."
Annekathrin Kohout, Kulturwissenschaftlerin