Orang Utans basteln sich aus Blättern einen Regenschirm, Schimpansen können aus Ästen Speere für die Jagd anfertigen, Delfine nutzen Schwämme als Nasenschutz, aber auch Ameisen nutzen Werkzeuge.

Schon vor 40 Jahren beobachteten US-amerikanische Forscher, wie Ameisen Werkzeuge nutzen. Ameisen der Art Dorymyrmex bicolor nehmen mit ihren Mundwerkzeugen winzig kleine Kieselsteinchen auf und werfen sie gezielt in die senkrechten Eingangsschächte von unterirdischen Nestern anderer Ameisenarten. Sie verschließen damit die Eingänge, sodass die Konkurrenten sich nicht an den gleichen Futterquellen bedienen können.

"Die in den Tropen Australiens, Asiens und Afrikas lebenden Weberameisen nutzen sogar ihren eigenen Nachwuchs als Werkzeug."
Mario Ludwig, Biologe

Die Weberameisen leben hoch oben in Bäumen in kugelförmigen Nestern. Um diese Nester zu bauen, bilden die Arbeiterinnen erst einmal lange Ketten. So können sie die nötige Kraft aufbringen, um an bestimmten Stellen Blätter zusammenzuziehen. Diese werden solange festgehalten, bis andere Arbeiterinnen sie zusammengewoben haben. Als "Webe-Werkzeug" nutzen die Arbeiterinnen die eigenen Larven, die aus bestimmten Drüsen am Kopf, Fäden aus Seide abgeben können.

Lebendes Werkzeug

Die Ameisen packen dazu einfach ihr "lebendes Werkzeug" mit ihren Mundwerkzeugen und bewegen die Larve solange zwischen Blatträndern hin und her, bis die entsprechenden Blattkanten dauerhaft miteinander verwoben sind. Auf diese Weise entsteht innerhalb von 24 Stunden ein neues, aus Blättern und Zweigen verwobenes Nest.

Forschern der ungarischen Universität Szeged haben mit Aphaenogaster subterranea und Aphaenogaster senilis Experimente durchgeführt. Diesen beiden Ameisenarten haben sie Flüssigkeiten auf Tellern angeboten. Zum einen ein dickliches süßes Honiggemisch, zum anderen dünnflüssiges Honigwasser. Dazu legten die Wissenschaftler verschiedene Transportmittel aus: Erdkrümel, Zweige und Tannennadeln, aber auch von Menschenhand hergestellte Transportmittel, wie etwa kleine Schnipsel von Schwämmen und Papier.

Verschiedene Arten - verschieden Werkzeugvorlieben

Die beiden Ameisenarten gingen das Problem unterschiedlich an: Die Ameisen der Art Aphaenogaster subterranea wählten ganz gezielt Erdkrümel zum Transport von verdünntem Honig und Schwämmchen zum Transport von konzentriertem Honig.

Die Ameisen der Art Aphaenogaster senilis dagegen waren experimentierfreudiger. Die Ameisen testeten nämlich zunächst einmal die verschiedenen Angebote ausgiebig, bevor sie sich dann auf die Transportmittel festlegten, mit denen die Flüssigkeiten am besten zu transportieren waren, nämlich Schwammfetzen und Papierstückchen.