Hamburgs durchschnittlicher Intelligenzquotient dürfte aktuell um einige Punkte gestiegen sein. Der Verein für Hochbegabte veranstaltet dort nämlich sein Jahrestreffen. Es werden bis zu 1.500 Menschen mit einem Intelligenzquotienten (IQ) von über 130 erwartet.

Der bekannteste Test, um Intelligenz oder eben auch Hochbegabung zu messen, ist der IQ-Test. "Das ist ein gutes Kriterium für intellektuelle Hochbegabung, also ob jemand gut denken kann", erklärt Tanja Gabriele Baudson, Psychologin und Begabungsforscherin.

"Hochbegabung generell ist ein hohes Leistungspotenzial."
Tanja Gabriele Baudson, Psychologin und Begabungsforscherin

Es gibt jedoch verschiedene wissenschaftliche Modelle, um Hochbegabung zu messen. Denn Hochbegabung meint erst einmal nur, dass ein Mensch ein hohes Potenzial hat. Das kann sich aber nicht nur auf die Intelligenz beziehen, sondern zum Beispiel auch auf sportliche oder auf musikalische Leistungen.

Die Psychologin Baudson weist darauf hin, dass es sehr darauf ankommt, was man eigentlich messen möchte. Ob man zum Beispiel messen möchte, wie intelligent ein Kind ist, das nicht gut Deutsch spricht oder ob man einen Intelligenztest im Rahmen einer Demenzdiagnostik bei einer älteren Person durchführt. Die Testergebnisse lassen sich nicht unbedingt miteinander vergleichen.

Intelligenztests sollen die Denkleistung eines Menschen erfassen

Manche Tests sind kurz und schlicht. Andere sind ausführlicher und testen sowohl sprachliche als auch rechnerische Denkleistungen. Manche erfordern räumliche Vorstellungskraft, andere die Fähigkeit, logische Schlussfolgerungen zu ziehen. "Was diese Aufgaben miteinander verbindet, ist, dass sie alle das Denken erfassen wollen", sagt Baudson.

"Es ist auf jeden Fall ein besserer Indikator als Schulnoten."
Tanja Gabriele Baudson, Psychologin und Begabungsforscherin

Am Ende gibt der Test dann Auskunft über kognitive Leitungsfähigkeit, so die Begabungsforscherin. Er gibt eine Annäherung an das Potenzial des Menschen, der den Test gemacht hat – sei aber auf jeden Fall ein besserer Indikator als Schulnoten. Der IQ sage ganz gut die Leistung in der Schule, aber auch später in der Ausbildung oder im Beruf voraus.

Allerdings kommen am Ende auch noch andere Faktoren hinzu, die sich darauf auswirken, wie gut wir unser Potenzial ausschöpfen, erklärt Baudson. Es hänge zum Beispiel auch sehr von unserer Persönlichkeit ab, ob wir in der Lage sind, unsere Fähigkeiten zu nutzen.

"Der IQ-Test sagt nichts aus über den Wert eines Menschen."
Tanja Gabriele Baudson, Psychologin und Begabungsforscherin

Kinder, die zwar einen hohen IQ haben, aber dennoch schlechte Noten in der Schule haben, werden von Forschern als "Underachiever" bezeichnet. Das Problem: Lehrerinnen und Lehrer erkennen ihr Potenzial oft nicht, "weil Lehrkräfte daraufhin ausgebildet sind, dass sie Leistung diagnostizieren", sagt Tanja Gabriele Baudson. Und wenn Schülerinnen oder Schüler nicht zeigen, was sie können, dann wird es schwierig für die Lehrer.