Stehen oder sitzen - das hat Einfluss darauf, wie intensiv wir schmecken. Wer leckeres Essen genießen will, sollte sitzen. Stehen hilft, Ungenießbares irgendwie runterzukriegen.

Wenn man nicht drauf achtet, fällt es einem vermutlich gar nicht auf. Dass der Geschmack auch viel mit Kontext und unserer Umwelt zu hat, registrieren wir wohl am ehesten im oder nach dem Urlaub. In einem fremden Land schmeckt uns das spezielle Gericht oder der Wein besonders gut - zuhause mögen wir das aber plötzlich gar nicht mehr.

Der allgemeingültige Zusammenhang lautet: Wie uns eine Speise oder ein Getränk schmeckt, hängt stark von anderen Sinneswahrnehmungen ab. Das sind zum Beispiel:

  • Gleichgewichtssinn: Dinge schmecken auf einem Schiff anders als an Land
  • Farben: In welcher Farbe ein Raum gestrichen ist, beeinflusst, wie gut oder schlecht uns etwas schmeckt
  • Geruch: Wie etwas riecht, beeinflusst die Geschmackswahrnehmung ebenfalls

Dass andere Sinneswahrnehmungen und die Umwelt Einfluss auf unseren Geschmack haben, hat auch einen physiologischen Grund: Unsere Fähigkeit, zu schmecken, ist nämlich nicht sehr fein ausgeprägt. "Kein Sinn ist so grob wie der Geschmackssinn", sagt Neurowissenschaftler Henning Beck. "Wir können fünf Geschmacksrichtungen auseinanderhalten, das war's." Da müssen die anderen Sinne quasi nachhelfen.

Körperhaltung beeinflusst Fähigkeit, zu schmecken

Die Liste externer Faktoren, die den Geschmackssinn beeinflussen, wird nun noch etwas erweitert. Forschende der University of South Florida haben in Experimenten nachgewiesen, dass unsere Körperhaltung ebenfalls relevant für die Geschmackswahrnehmung ist. Die einfache Frage lautet: Sitzen oder stehen wir?

Das Ergebnis der Versuche: Wenn die Probanden stehen, nehmen sie geschmacklich weniger wahr, und das sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Heißt: Egal, ob etwas gut oder schlecht schmeckt - wer steht, kann weniger intensiv schmecken.

"Am intensivsten schmeckt es, wenn ich komplett entspannt bin."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Der Grund dafür ist vereinfacht gesagt körperlicher Stress. Da Stehen anstrengender als Sitzen ist, hat der Körper sozusagen weniger Ressourcen dafür übrig, genau hinzuschmecken. "Am intensivsten schmeckt es, wenn ich komplett entspannt bin", sagt Henning Beck. Oder umgekehrt: Wer etwas runterkriegen muss, obwohl es nicht schmeckt, sorgt am besten für körperlichen Stress.