Dialyse durchführen, Medikamente verabreichen, Beatmungsformen kennen - Intensivpflegekräfte müssen ihre Aufgaben beherrschen. Im Zweifel hängt das Leben der Patienten davon ab. Deswegen hält Markus Heinrich, Intensivpfleger in der Asklepios Klinik in Hamburg, wenig von der Idee, Pflegekräfte aus anderen Bereichen auf der Intensivstation einzusetzen.

Noch fühlt sich das Team der Klinik gut vorbereitet, die Patienten auf den Intensivstationen zu versorgen. Noch. Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, rechnet mit einem neuen Höchststand an Intensivpatienten in Deutschland: "In zwei bis drei Wochen werden wir die Höchstzahl der Intensivpatienten aus dem April übertreffen. Das können wir gar nicht mehr verhindern.“

Bis zu sechs Monaten dauert die Einarbeitung von Intensivpflegekräften

Umso lauter werden die Rufe nach mehr Pflegerinnen und Pflegern. Die sind in Deutschland rar. Noch dramatischer steht es um Fachpflegekräfte, die zum Beispiel auf Intensivstationen arbeiten können.

"Einarbeitung zwischen Tür und Angel zu machen, ist gefährlich."
Markus Heinrich, Intensivpfleger in der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg

Denn die Arbeit auf der Intensivstation sei besonders herausfordernd, stellt Intensivpfleger Markus Heinrich klar. Natürlich müsse man sich entsprechend anziehen, Maske und Brille anlegen, bevor man ein Zimmer betritt, in dem ein Corona-Patient liegt. Doch es sei vor allem eine intensive Einarbeitung nötig, um eine Pflegekraft auf der Intensivstation regulär arbeiten lassen zu können. Zwei bis sechs Monate dauere das, daneben gebe es Fachqualifikationen, die zwei Jahre dauerten.

Je mehr Patienten pro Pflegekraft, desto höher das Risiko

Aus der Politik kommt der Vorschlag, Pflegekräfte von anderen Stationen die Corona-Patienten auf den Intensivstationen pflegen zu lassen. Markus kann diese Idee nicht ernst nehmen: "Auch bei uns haben mal Kollegen aus anderen Bereichen mitgearbeitet, aber sie konnten eher assistieren, ein Intensivpfleger musste immer dabei sein."

Zwei bis drei Patienten betreut er normalerweise. Seit diesem Jahr sei es per Gesetz vorgeben, dass eine Intensivpflegekraft nicht mehr als zwei Patienten parallel betreuen dürfe. Markus weiß, dass es in vielen Krankenhäusern normalerweise mehr sind - vier seien keine Ausnahme.

"Ich will nicht, dass wir Zustände wie Italien haben, als Kollegen im Krankenhaus übernachten mussten, weil sie mit der Patientenversorgung nicht hinterherkamen."
Markus Heinrich, Intensivpfleger in der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg

Wenn die Zahlen in Deutschland so weitersteigen wie vorhergesagt, werde es auch er mehr Patienten betreuen müssen. Markus macht sich da keine Illusion. Panik oder Nervosität ist ihm äußerlich nicht anzumerken. Dazu ist er zu sehr Profi. Aber er stellt sich auf mehr ein. Deswegen hat er schon bei seinem Interview für den Deutschlandfunk gesagt: "Ich möchte da an die Bevölkerung appellieren, sich an alle Hygienemaßnahmen zu halten, dass wir nicht überlaufen werden. Ansonsten wird es für uns ein großes Problem."