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In Deutschland wird weniger als die Hälfte des Elektroschrotts recycelt. Weltweit sieht es noch schlechter aus. Experten fordern eine bessere Logistik, damit wir den Schrott wieder los werden. Um das Bewusstsein dafür zu steigern, findet jedes Jahr der "International E-Waste-Day" statt.

In Deutschland liegt die Sammelquote für alte Elektrogeräte bei ungefähr 44 Prozent. Laut Expertinnen der Uno wurden 2019 weltweit gerade einmal 17,4 Prozent des produzierten Elektroschrotts eingesammelt und recycelt. Anstatt sie auseinander zu bauen und die einzelnen Teile wieder zu verwerten und fachgerecht zu entsorgen, werden viele Geräte verbrannt, landen auf Müllkippen – oder liegen irgendwo bei uns Zuhause rum.

Menge des globalen Elektroschrotts steigt

Die Menge des globalen Elektroschrotts steigt zudem immer weiter an. Für 2021 rechnen die Vereinten Nationen mit einem Rekordwert von mehr als 57 Millionen Tonnen Elektroschrott – bis 2030 könnten es 74 Millionen Tonnen werden. "Das liegt vor allem am gestiegenen weltweiten Konsum, aber auch an der Kurzlebigkeit der Produkte", sagt Deutschlandfunk Nova-Reporterin Rahel Klein.

Auch wenn die weltweite Recycling-Quote noch viel schlechter ist – 44 Prozent ist für ein Land wie Deutschland auch nicht besonders vorbildlich. Es liege vor allem an der Logistik, sagt Andreas Manhart vom Ökoinstitut. Es fehle der politische Wille, andere Rücknahmesysteme einzuführen. Während es einerseits sehr einfach ist, ein neues Gerät zu bestellen und es ins Haus geliefert zu bekommen, ist es andererseits gar nicht so einfach, es wieder loszuwerden, etwa wenn es alt oder defekt ist.

"Wir erleben, dass jede Bestellung im Internet am nächsten Tag frei Haus geliefert wird. Wenn man aber ein Altgerät hat, muss man das mit eigenen Transportmitteln zu einem Wertstoffhof bringen. Also bei der Rücknahme hängen wir logistisch immer noch in den 90ern."
Andreas Manhart, Ökoinstitut

"Eigentlich ist es weltweiter Konsens, dass die Hersteller für die Kosten für die Sammlung und Entsorgung alter Geräte zuständig sein sollten", sagt Rahel Klein. Das passiert aber nur begrenzt. Dadurch, dass Konsumenten und Konsumentinnen zum Wertstoffhof oder in ein Geschäft fahren müssen, bleiben letztlich Verbraucherinnen und Verbraucher auf den Kosten und Mühen für den Transport und die Entsorgung sitzen.

"Das führt dazu, dass viele Sachen – unerlaubterweise – im normalen Hausmüll landen oder Zuhause vergammeln."
Rahel Klein, Deutschlandfunk Nova-Reporterin

Andreas Manhart vom Ökoinstitut sagt, dass es jedoch sehr wichtig wäre, die alten Geräte richtig zu entsorgen: "Das eine sind natürlich die Rohstoffe, die da drin sind, die brauchen wir eigentlich wieder. Die sollten wir nicht immer wieder neu aus Bergwerken gewinnen. Und das andere sind natürlich die Schadstoffe. Die Geräte enthalten Schadstoffe und gehören nicht in den Abfallstrom, weil der sonst in den Müllverbrennungsanlagen – oder wo auch immer – Schäden anrichtet." In alten Elektrogeräten stecken oft wertvolle Materialien: Gold, Silber, Kupfer, Aluminium, aber auch Kunststoffe.

2022: Neues Gesetz für die Rücknahme von Geräten

Ab 2022 tritt ein neues Elektrogesetz in Kraft. Demnach können wir alten Elektroschrott an mehr Orten zurückgeben – auch im Supermarkt. Andreas Manhart geht davon aus, dass das die Recyclingquote etwas erhöhen wird, aber das Grundproblem bleibe.

"Die Grundfrage: Wer trägt eigentlich die Kosten der letzten Meile oder der ersten Meile bei der Rückholung, die ist weiterhin ungeklärt oder liegt weiterhin bei den Konsumenten. Aus meiner Sicht ist das nicht zielführend."
Andreas Manhart, Ökoinstitut

In manchen Ländern gibt es auch Einwurfboxen, in die man den Elektroschrott werfen kann. So ein Modell könnte eine weitere Verbesserung bringen. Aber ideal wäre es, wenn die Rücknahme komplett anders organisiert würde, sagt Andreas Manhart. Am besten wäre es, wenn wir unsere alten Geräte jeder Logistikerin und jedem Paketboten mitgeben könnten – ohne irgendwo hinfahren zu müssen, meint Andreas Manhart.

Der diesjährige "International E-Waste-Day" fokussiert sich auf die Rolle, die jeder von uns bei der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft für Elektroprodukte spielt.