Geschlechts-Dysphorie oder Gender-Dysphorie ist ein Zustand, in dem sich Menschen mit ihrem eigenen Geschlecht unwohl fühlen oder darunter leiden. Das kann passieren, wenn sich ein trans Mensch mit cis Menschen vergleicht. Dann kann das Gefühl entstehen, der eigene Körper passt nicht zum erlebten Geschlecht.

Wir vergleichen uns mit anderen Menschen, meist passiert das ganz unbewusst. Diese Vergleiche können aber zu ganz unterschiedlichen Problemen führen. Bei trans Menschen kann der Vergleich mit cis Menschen zu einer Geschlechts-Dysphorie oder Gender-Dysphorie führen. Denn unsere Welt ist - bezogen auf das Geschlecht - binär ausgerichtet: Mann oder Frau. Genauso ist bei der sexuellen Orientierung heterosexuell der "Normalfall".

Binäres Gesellschaftsstereotype begünstigen Dysphorie

Für trans Menschen sind diese beiden Schubladen zu klein, trotzdem vergleichen sie sich mit dem binären Standardmodell, sprich mit cis Menschen. Das passiert im Alltag oder auf Social Media meist nebenbei oder eben unbewusst. So geht es zum Beispiel Janosh. Er ist trans und hat immer mal wieder mit Dysphorie zu kämpfen, vor allem, wenn er sich mit cis Männern vergleicht.

"Das ist immer so ein Gefühl von darauf stoßen, dass ich irgendwie nicht so bin und mich dann dementsprechend falsch fühle."
Janosh ist trans und hat manchmal Dysphorie

Wichtig hierbei: Dysphorie kommt nicht daher, weil man trans ist. Trans sein ist genauso wie an cis oder non binär sein. Und: Nicht alle Menschen, die trans sind, haben Dysphorie, sagt Timo Nieder. Er leitet die Spezialambulanz für sexuelle Gesundheit und Transgender-Versorgung an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf.

"Manche trans Menschen haben eine Geschlechts-Dysphorie. Aber nicht alle Menschen, die eine Geschlechts-Dysphorie haben, sind auch trans."
Timo Nieder, Leitung der Spezialambulanz für sexuelle Gesundheit und Transgender-Versorgung an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf

Der Zustand der Dysphorie tritt durch den Vergleich mit der Außenwelt auf. Aber sie kann auch auftreten, wenn Menschen von körperlichen Merkmalen bei einem anderen Menschen auf dessen Geschlecht schließen. Zum Beispiel sehen sie eine große Brust und denken, vor ihnen steht eine Frau, oder sie sehen einen starken Bartwuchs und glauben, es handelt sich um einen Mann.

Diverse Vorstellungen

Diese Zuschreibungen hängen mit dem binären Geschlechtersystem unserer Gesellschaft zusammen. Langsam ändert sich etwas im Bewusstsein der Menschen, dass eben das Geschlecht nicht automatisch den stereotypen Geschlechterbildern entsprechen, aber noch spielen sie eine große Rolle.

Wie diese Stereotypen mit Dysphorie zusammenhängen, erklärt Timo Nieder. Janosh spricht unter anderem darüber, wie sich die Dysphorie durch seine Beziehung verändert hat.

Im Liebestagebuch spricht Mika spricht über seine Arbeit beim Verein "Schlau", wo er unter anderem über Queerness aufklärt.