Unter den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine sind auch internationale Studierende, zum Beispiel aus Nigeria und Marokko. Viele von ihnen stehen vor dem Problem, wie sie weiter in Deutschland bleiben und hier studieren können. Denn: Ohne einen ukrainischen Pass haben sie keinen Schutzstatus in Deutschland.

Vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine haben laut Unesco auch etwa 70.000 internationale Studierende in der Ukraine gelebt. Viele von ihnen sind nach Beginn des Angriffskrieges in andere Länder geflohen wie Deutschland. Etwa 10.000 internationale Studierende sollen so hier her gekommen sein. Davon geht die Hochschulrektorenkonferenz aus.

Ohne ukrainischen Pass keinen Schutzstatus

Viele von ihnen sind aus afrikanischen Ländern, teilweise auch aus Indien oder Pakistan ursprünglich in die Ukraine gegangen. In Deutschland haben sie jetzt den Status als sogenannte Drittstaatangehörige. Weil sie keinen ukrainischen Pass haben, ist ihr Aufenthaltsrecht anders geregelt – für alle Drittstaatler ohne gültiges Visum war der 31. August die Frist, bis zu der sie in Deutschland bleiben durften.

Mit einem ukrainischen Pass würde der Paragraf 24 auch für sie gelten und sie dürften als ukrainische Kriegsflüchtlinge automatisch zwei Jahre in Deutschland bleiben.

Hier einen Studienplatz finden, ist schwer

Die internationalen Studierenden aus sogenannten Drittstaaten haben noch die Möglichkeit, durch einen Studien- oder Arbeitsplatz länger in Deutschland zu bleiben. "Das ist für die meisten aber natürlich fast unmöglich, die hier oft völlig planlos und auch traumatisiert angekommen sind und vor allem kein Wort Deutsch sprechen", sagt Luise Sammann, Dlf-Korrespondentin im Hauptstadtstudio.

Sie hat mit einigen der internationalen Studierenden gesprochen, die in Berlin angekommen sind, wie Monalisa. Die Studentin aus Nigeria hat in Charkiw, das im Nordosten der Ukraine nahe der Grenze zu Russland liegt, im sechsten Semester Medizin studiert. Sie möchte einmal als Gynäkologin arbeiten, muss ihr Studium jetzt aber pausieren, weil sie keinen Studienplatz in Deutschland findet.

"Wir sind alle aus der Ukraine hierher geflohen. Aber weil wir aus sogenannten Drittweltländern kommen, erhalten wir hier nicht die gleichen Möglichkeiten wie die Ukrainer."
Monalisa, hat als internationale Studierende in der Ukraine Medizin studiert

Die Ukraine war unter den internationalen Studierenden auch bliebt, weil viele der Studiengänge dort auf Englisch angeboten wurden wie eben Medizin oder auch IT- und Ingenieurwissenschaften. Zudem liegt die Ukraine in Europa, ist aber kein Schengenstaat, wodurch die internationalen Studierenden dort einfacher ein Studienvisum bekommen haben. Und die Kosten für Lebensmittel, Miete und Co. waren in der Ukraine auch günstiger als in anderen europäischen Ländern wie Deutschland.

Viele internationale Studierende finden in Deutschland gerade keinen Studienplatz, weil es nicht nur weniger Studiengänge auf Englisch gibt als in der Ukraine. Sehr gute Deutschkenntnisse, die durch einen entsprechenden Test nachgewiesen werden müssen, sind an deutschen Hochschulen für internationale Studierende eine Studienvoraussetzung.

Verlängertes Visum: kaum ein Unterschied

In Berlin hat der Senat jetzt beschlossen, dass das Visum für Drittstaatangehörige, also auch für die internationalen Studierenden, um weitere sechs Monate verlängert wird. In Hamburg und Bremen ist es ähnlich.

Für viele könnte es wegen der fehlenden Deutschkenntnisse trotzdem schwer werden, im nächsten halben Jahr einen Studienplatz zu bekommen, sodass ihr Visum am 1. März 2023 wieder ausläuft.

Fachkräfte, die gehen müssen

Damit verpasst auch Deutschland eine Chance. Denn: Die internationalen Studierenden sind auch angehende Fachkräfte. Volker Wittpahl, Leiter des Instituts für Innovation und Technik in Berlin, sagt, dass die Studierenden teilweise schon jetzt gut qualifiziert und vor allem motiviert sind. Er und seine Frau unterstützen internationale Studierende bei der Suche nach einem Studienplatz oder Job.

"Sie haben teilweise schon einen Bachelorabschluss, Berufserfahrung und internationale Erfahrung. Die meisten von ihnen sprechen mindestens drei Sprachen, weil die Ausbildungssprache in der Ukraine Englisch war, dann Ukrainisch, um vor Ort leben zu können, teilweise auch Russisch, und dann noch ihre Landessprachen", sagt er.

Mit ihrer Erfahrung und ihrer Ausbildung könnten sie eine Antwort auf den Fachkräftemangel sein, der in Deutschland oft beklagt wird.