Geküsst wird überall - fast überall. Vor allem aber wird nicht überall in der Öffentlichkeit geküsst. Die Ethnologin Isabel Pagalies von der Uni Göttingen hat sich mit dem Kuss beschäftigt - den Eskimo-Kuss hält sie für eine Legende.

Vermutlich habt ihr eure ganz eigenen Kussvorlieben und auch Kusstechniken. Der Sozialanthropologe Bronislaw Malinowski fand den Kuss so interessant, dass er Küsse und Liebkosungen erforschte. Der Pole war zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterwegs in der Südsee auf den Trobriand-Inseln.

In seinen Büchern beschrieb er, wie die Insulaner die Nasen aneinander rieben und sich gegenseitig an den Zungen und Unterlippen saugten - und zwar bis sie bluteten. Sie bissen sich gegenseitig in die Wange und in das Kinn.

Besonders skurril aber war, dass die Menschen die Spitzen der Augenwimpern des jeweils anderen anknabberten. Malinowski konnte diese Art der Liebkosung nicht selbst beobachten. Doch er hielt die Geschichte für glaubwürdig, denn die Insulaner hatten wirklich sehr kurze Wimpern.

Dann gibt es noch den berühmten Eskimo-Kuss. Die Ethnologin Isabel Pagalies hält diesen Kuss für eine große Legende. "Die Europäer haben bei den Inuit oft interpretiert, dass das ein Kuss ist." Doch es ist eher ein Riechkuss und ein Gruß unter Freunden oder innerhalb der Familie - er hat nichts Romantisch-sexuelles.

Öffentliches Küssen geht gar nicht

In manchen Ländern ist der Kuss sogar ein Tabu. In Japan zum Beispiel gilt das Küssen als sexuelles Vorspiel und gehört deshalb nicht in die Öffentlichkeit. In Indonesien wird öffentliches Knutschen sogar bestraft. Auch in anderen muslimischen Ländern gilt im öffentlichen Raum ein Kussverbot.

Auch in Indien sind Küsse in der Öffentlichkeit fast nie zu sehen. Obwohl die ältesten Artefakte zum Thema Küssen, zum Beispiel Statuen, aus Indien stammen. Ebenso werden im Kamasutra 30 Kussvarianten beschrieben. Der Leitfaden für Liebe, Beziehung und Erotik wurde bereits zwischen 200 und 300 nach Christus geschrieben.