Homeoffice, Streaming, Videochats: Was hält unser Internet in Corona-Zeiten aus? Netflix und Youtube haben inzwischen schon angekündigt, die Qualität ihrer Videos drosseln zu wollen. Die Netze halten der aktuellen Belastung aber stand.

Die Internetnutzung ist in den letzten Tagen in Deutschland deutlich angestiegen. Der Anbieter Vodafone sagt, dass am vergangenen Mittwoch 30 Prozent mehr als an normalen Tagen gesurft wurde. Diese Angaben betreffen das Internet, das übers Festnetz läuft.

Beim mobilen Internet geht die Nutzung im Moment allerdings zurück, vermutlich weil gerade mehr Leute zu Hause über ihr WLAN online unterwegs sind. Sowohl bei Vodafone als auch bei der Telekom ist auch die Sprachnutzung um die Hälfte gestiegen.

Und auch in den sozialen Medien passiert mehr. Facebook erklärt, dass das Netzwerk im Moment noch stärker genutzt wird als zu Silvester und Neujahr.

"Bei Vodafone und auch bei der Telekom ist die Sprachnutzung um 50 Prozent gestiegen, also telefonieren wir deutlich mehr als sonst."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

Die Zahl der Videokonferenzen ist deutschlandweit innerhalb einer Woche auch um die Hälfte angestiegen. Das sagt der Betreiber des weltgrößten Internet-Knotens in Frankfurt, DE-Cix. Dieses Rechenzentrum ist gewissermaßen die wichtigste Schnittstelle des Internets in Deutschlands.

Dort heißt es auch, dass die Nutzung von Onlinegaming um 25 Prozent gestiegen sei. Man habe aber insgesamt noch genügend Kapazitäten frei. Selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich Homeoffice machen würden und nebenher noch die Fußball-EM übertragen würde, könne der Internet-Knoten noch immer für eine reibungslose Verbindung sorgen.

Stärkere Belastung durch das Coronavirus

Telekom und Vodafone sagen, die Netze seien im Moment stabil. Die Telekom hatte bereits im Januar einen Notfall- und Pandemieplan aktiviert. Darin ist etwa vorgesehen, dass es mehrere Teams bei dem Kommunikationsunternehmen gibt, die unabhängig voneinander arbeiten und sich so gegenseitig nicht anstecken können.

Laut dem Konzern beobachten die Mitarbeiter das Netz im Moment auch sehr genau und gehen auch mögliche Szenarien für die nächsten Wochen durch, falls die Auslastung der Netze noch stärker steigen sollte.

Netzkapazitäten reichen aus

Ganz ähnlich schätzt das auch Alexander Spier, Redakteur bei Heise Online, ein. Selbst wenn man 20 bis 50 Prozent mehr Traffic feststellen sollte, ergebe sich daraus kein Problem. "Man muss man sich erst mal keine Sorgen machen", so Spier.

"Telekom und Vodafone sagen: Die Netze sind im Moment stabil, wir kommen gut damit klar."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

Aber trotzdem: Die EU-Kommission fürchtet, dass unser ganzes Streaming das Netz langsamer macht. Es gab darum unter anderem Gespräche mit Netflix. Der Streaming-Betreiber hat auch angekündigt, die Bitraten, also letztlich die Qualität, seiner Videos zu senken. Das soll ungefähr 25 Prozent des Netflix-Datenverkehrs in europäischen Netzen einsparen. Auch Youtube will die Qualität der Videos etwas absenken.

Allerdings beweist der Selbstversuch unseres Reporters Johannes Döbbelt, dass man kann die Qualität aktuell immer noch auf die höchste Stufe stellen kann. Aber Analysen zeigen auch: Videostreaming macht rund 60 Prozent des gesamten Downstream-Traffics im Netz aus, das heißt 60 Prozent dessen, was aus dem Internet auf PCs, Fernseher und so weiter fließt, kommt nur von Videos.

Netzneutralität im Notfall

Auch wenn der Datenverkehr durch Streaming oder Gaming weiter steigt und das Netz wirklich irgendwann überlastet wäre, hat die Politik trotzdem nicht das Recht, Video-Streaming einzuschränken. Bestimmte Dienste im Netz zu benachteiligen, ist nämlich laut der Netzneutralität, die im EU-Recht verankert ist, nicht erlaubt.

Nur für Krisenfälle gibt es Ausnahmen. Es wäre also doch möglich, dass die EU wegen der Corona-Pandemie eingreift, damit sehr wichtige Prozesse weiterlaufen. Gemeint sind damit Kliniken, Labore oder Forschungseinrichtungen, die auch im Notfall noch Daten austauschen müssen.