Eine kabellose Internetverbindung unter Wasser könnte für vieles genutzt werden: zum Beispiel, um Tsunamis verlässlich vorauszusagen. Ein erster Versuch für WLAN im Meer soll bald im Kieler Hafen starten.

Bei der Frage, wie Menschen überall auf der Erde mit Internet versorgt werden können, lag die Antwort bisher oft im All: Aktuell läuft zum Beispiel das Starlink-Programm von Unternehmer und Tesla-Gründer Elon Musk, bei dem über 40.000 Satelliten eine schnelle Internetverbindung aus dem Weltall in die entlegensten Regionen der Welt bringen sollen.

Wie Fische unter Wasser kommunizieren

Forschende arbeiten gerade aber auch an einem kabellosen Internetempfang unter Wasser, also im Meer. Ein erster Versuch soll demnächst in der Kieler Förde starten. Die Herausforderung dabei: Wasser bremst WLAN oder andere Funkverbindungen. Kabelloses Internet unter Wasser sicherzustellen, ist also ein anspruchsvolles Ziel.

Hinter dem aktuellen Projekt steckt die Bundeswehr. Zusammen mit einem Team aus internationalen Forschenden erprobt sie eine Schallwellen-Technik. Angelehnt ist die Idee an der Kommunikation von Tieren unter Wasser. Mithilfe von Schallwellen können sich einige Arten über mehrere Kilometer verständigen. Klar ist also: Wasser ist ein guter Schallwellen-Überträger.

Probleme bei der Idee, Internet über Schallwellen zu übertragen, bereitet allerdings die Wasserbewegung. Sie kann Schallwellen ablenken. Zumal die Internetverbindung über diesen Übertragungsweg vergleichsweise langsam sein wird, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Konstantin Köhler.

W-Lan über Schallwellen ist ungenau

Interessant wäre das kabellose Internet unter anderem für die Forschung zur Überwachung der Meere. Sind bestimmte Fische oder Wale zum Beispiel mit Sensoren ausgestattet, könnten sie Daten an eine Zentrale senden. Damit wäre das Tracken der Wasserqualität, von Korallenriffs oder auch von Plastikmüll im Meer möglich. Sensoren könnten auch dabei helfen, zuverlässig vor Tsunamis zu warnen.

"Also für die Überwachung der Meere im allgemeinen Sinne ist das kabellose Internet bestimmt hilfreich. Man könnte verschiedene Sensoren miteinander vernetzen, zum Beispiel für zuverlässige Tsunami-Warnungen."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Denkbar ist auch eine militärische Absicht hinter der Internetverbindung unter Wasser, da die Bundeswehr das Projekt leitet. Sie könnte das kabellose Internet etwa für Überwachungstechniken oder U-Boote nutzen. Konkrete Ziele hat die Bundeswehr aktuell noch nicht mitgeteilt.

Rechenzentren im Meer

Die Versuche im Kieler Hafer könnten aber auch für private Unternehmen interessant sein, etwa für Firmen, die Rechenzentren unter Wasser bauen wollen. Im Meer könnten sie sich einerseits die Kühlung für die Server sparen und andererseits unter Umständen die Strömung zusätzlich als Energiequelle nutzen.

Für die Tourismusbranche ist das WLAN per Schallwellenübertragung aktuell keine Alternative. So wäre die Technik für ein Kreuzfahrtschiff mit Tausenden Passagieren zu langsam.

Statt Schallwellen: Laser für schnelles Internet

Neben den Schallwellen erforschen Wissenschaftler alternativ eine Laser-Technik, die höhere Übertragungsraten ermöglicht. Das Problem ist hier allerdings wieder die Wasserbewegung: Ähnlich wie die Schallwellen könnte die Wasserströmung den Laser vom Ziel weglenken.

"Ich würde das Ganze in die Kategorie einordnen: Wenn die Technik erst mal funktioniert, dann findet man schon Sachen, wofür man die gebrauchen kann."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova