Manchmal greifen auch Fachleute bei ihren Urteilen daneben: Label-Chefs und Musikexpertinnen zum Beispiel schreiben Karrieren von Bands oft ab, bevor sie angefangen haben. Sozialpsychologe Hans-Peter Erb gibt Strategien für bessere Voraussagen.

Von Alice Merton, den Beatles oder Daft Punk wissen wir heute: Sie sind erfolgreich. Vor einiger Zeit gab es aber auch Plattenbosse, die nicht von ihrer Musik überzeugt waren. Sie haben den damaligen Zeitgeist offenbar falscheingeschätzt.

Auf das Bauchgefühl hören

Sollen Menschen Urteile über etwas treffen, was in der Zukunft liegt, können sie auf ihr Wissen und ihre Intuition zurückgreifen, erklärt Sozialpsychologe Hans-Peter Erb. Aber auch unsere Intuition, das Bauchgefühl, sei vor allem stark von unserem Wissen über die zu urteilende Sache abhängig. Ist das Wissen in diesem Bereich besonders ausgeprägt, können wir uns gut auf unsere Intuition verlassen, sagt Erb.

"Das sind Urteile – meist über etwas, was in der Zukunft passiert – die wir auch Prognosen nennen können. Bei den Leuten, die diese Urteile treffen, kommt dann ein Gefühl auf, das sie gar nicht selbst erklären können."
Hans-Peter Erb, Sozialpsychologe

Trotzdem liegen Fachleuten wie Plattenchefs oder Expertinnen mit ihren Einschätzungen, was Menschen begeistern könnte, häufig auch daneben. Um die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs genauer vorherzusagen, gibt es bestimmte Strategien.

Einzelwahrscheinlichkeiten berechnen

Eine, so der Sozialpsychologe, ist, das Problem in einzelne Aspekte zu zerlegen. Es geht also darum, Fragen zu stellen wie: Was sind Faktoren, die hier eine Rolle spielen? Was spricht dafür? Wer wird dieses Album kaufen? Im Anschluss wird jedem dieser Aspekte eine Wahrscheinlichkeit zugeordnet. Diese Einzelwahrscheinlichkeiten werden dann wiederum auf einen Mittelwert gebracht. Dadurch könne eine Vorhersage eher eintreffen.

In der Popkultur machen das verstärkt Computerprogramme, erklärt Udo Dahmen, Leiter der Popakademie Baden-Württemberg. Die Künstliche Intelligenz (KI) könne auf Basis bestimmter Bestandteile eines Songs die Wahrscheinlichkeit berechnen, ob dieser zu einem Charterfolg werden könnte oder nicht.

Prognosen bleiben Wahrscheinlichkeiten

Voraussagen sind aber keine festgeschriebenen Wahrheiten, sagt er. Vielmehr hänge der Erfolg vom aktuellen Zeitgeist und dem damit verbundenen Geschmack der Zielgruppe ab. Und das ist eben schwer zu berechnen, so Udo Dahmen. Denn: Prognosen basieren auf dem Wissen von heute. Was den Menschen in ein paar Wochen oder Monaten gefällt, bleibt auch trotz vieler Daten ungewiss.