Ja, es gibt Gewinner des Klimawandels – den Götterbaum zum Beispiel. Der mag es gerne warm, sagt Sönke Hofmann vom Naturschutzbund und möchte ihn gerne ausmerzen wie den Staudenknöterich auch.

Trockenheit und Hitze bereiten einheimischen Baumarten Schwierigkeiten, der Götterbaum – Ailanthus altissima – mag diese Bedingungen und breitet sich hierzulande aus. Ursprünglich wächst er in China und Taiwan. In Europa gilt er als invasive Art, die heimische Arten verdrängt. Äußerlich erinnert er an die Esche. Der Götterbaum gerate außer Kontrolle, sagt Sönke Hofmann, wo dieser wachse, wachse nichts anderes mehr. Sönke Hofmann ist Forstingenieur und Geschäftsführer des Naturschutzbunds Bremen.

"Der ist ein Gewinner des Klimawandels. Er kommt mit der Trockenheit sehr gut klar und er kommt mit höheren Temperaturen sehr gut klar."
Sönke Hofmann, Forstingenieur und Geschäftsführer des Naturschutzbunds Bremen

Im Moment wächst der Baum fast ausschließlich in den Städten. Die Abhängigkeit von relativ hohen Temperaturen verhindere die Ausbreitung des Baumes in der Landschaft, weil er die Wäreminseln in der Stadt braucht – Abstrahlungen von Gebäuden beispielsweise. Ab neun Grad Celsius wächst er optimal. Ursprünglich ist der Götterbaum als Zierpflanze in Parks angepflanzt worden. Er wächst sehr schnell. Balsaholz wächst zwar schneller, ist allerdings zu frostempfindlich.

"Er ist die schnellst wachsende Baumart, die bei uns hier in Europa wachsen kann."
Sönke Hofmann, Forstingenieur und Geschäftsführer des Naturschutzbunds Bremen

Dem Götterbaum wachsen rund ein, zwei Meter lange Sprosse und wenn man ihn abschneidet, schlägt er aus seinen Wurzeln wieder aus. Sönke Hofmann vergleicht ihn mit dem Staudenknöterich, der entlang von Autobahnen steht. Vielfach würden Pflanzenteile dieser Art als Gartenabfall im Wald entsorgt, deswegen wachse der Staudenknöterich fast überall. Sönke Hofmann sagt, wenn man den Staudenknöterich ausreißt, dann reiße man die Wurzeln ab und diese Wurzeln treiben neu aus. Man regt damit das Wachstum an. Der Forstingenieur kennt zwar in Bremen keine Problemzonen mit Götterbäumen, aber in Berlin hat er die Ausbreitung der Art beobachtet.

Berlin: Götterbäume im Vordergrund breiten sich zwischen dem Park am Gleisdreieck und dem Elise-Tilse-Park aus
© dpa
Berlin: Götterbäume im Park am Gleisdreieck
"Rund um den Hauptbahnhof hat der Götterbaum innerhalb von zwei drei Jahren recht große Flächen erobert."
Sönke Hofmann, Forstingenieur und Geschäftsführer des Naturschutzbunds Bremen

Wenn ein Gartenbaumamt nicht auf Zack sei und den Baum konsequent und mit beachtlichem finanziellen Aufwand bekämpfe, sei der Götterbaum nicht in den Griff zu bekommen. Vom Einsatz chemischer Pflanzenvernichtungsmittel wie Glyphosat, rät Sönke Hofmann ab. Auch die Idee den Götterbaum als Waldbaumart anzupflanzen, hält er für wenig hilfreich.

Verbot ist machbar und sinnvoll

Zwar sei das Pflanzen des Götterbaums in der freien Natur verboten, solange er allerdings im Privatgarten stehen dürfe, sei dieses Verbot unwirksam. Deswegen hält er ein Verbot des Handels mit dem Baum für durchaus sinnvoll.

Der Fall des Götterbaums berührt ein aktuelles Problem: Wie lassen sich Arten, die sich wegen des Klimawandels an anderen Orten ausbreiten von invasiven Arten unterscheiden? Diese Frage ist Gegenstand eine Userdiskussion auf Reddit – bezogen allerdings eher auf Tiere. Dort findet die folgende Einordnung Zustimmung: Wenn die Art allen einheimischen Arten gegenüber im Vorteil ist und nicht in der Nahrungskette auftaucht, kann sie als invasiv gelten.