Die olympischen Winterspiele waren mal ein Ereignis, das Städte gerne ausgerichtet haben. Aber diese Zeiten sind offenbar vorbei. Denn die Menschen im kanadischen Calgary haben kein Bock auf das Großereignis 2026. Auch Saporo in Japan, Graz mit Schladming in Österreich oder Sion in der Schweiz wollen die Spiele nicht.

Es geht aber auch  darum, wer die Olympischen Winterspiele veranstaltet. Und das ist das Internationale Olympische Komitee (IOC), das in der Vergangenheit nicht gerade gut dagestanden und umfangreiche Baumaßen eingefordert hat, wenn es um die Austragung der Spiele ging.

Die große Frage ist: Wer soll die ganzen Millionen und Milliarden zur Verfügung stellen, die für eine Austragung bereit gestellt werden müssen? Diese Frage konnte in Calgary niemand beantworten. Es gab zwar zwischenzeitlich einen Kompromiss zwischen der Stadt, der Provinz und dem Land. Der Stadtrat war aber eher gegen eine Ausrichtung. Allerdings haben ausreichend Stimmen gefehlt, um das Ganze zu kippen. Das ist dann durch ein Referendum gelungen.

"Es geht natürlich immer auch darum, wen holt man sich da nach Hause. Das IOC mit all seinen - sagen wir mal vorsichtig - Machenschaften, mit all dem was dazu gehört."
Matthias Friebe Deutschlandfunk Nova Sportredaktion

Calgary hat zwar vor 30 Jahren schon einmal die Olympischen Winterspiele ausgetragen. Einige Spielstätten und Stadien sind also vorhanden und müssen nicht erst neu gebaut werden. Dennoch stellen sich Fragen: Wie viel wollen wir bauen? Wie viel wird danach noch genutzt? Und haben wir nachher mehr Schulden als früher?

Winterspiele: größer, schöner, teurer

Und im Vergleich zu den Olympischen Winterspielen 1988 ist alles größer geworden, die Ansprüche an Sportanlagen und Logistik sind gestiegen und damit steigt der Aufwand - auch der finanzielle.

"Der Gigantismus ist immer größer geworden und damit ist auch die Abwehr gegen Olympia gestiegen, weil man erfahren hat, wo das Geld versickert: Nämlich in vielen Hosen und Handtaschen bei Funktionären im IOC."
Matthias Friebe Deutschlandfunk Nova Sportredaktion

Das IOC hat sich in der Stellungnahme sehr enttäuscht gezeigt. Das Komitee verwies auf die großen Chancen für die Städte durch die Austragung und auf Studien, die das belegen. Allerdings sind die von IOC-nahen Wissenschaftlern durchgeführt worden, sagt Sportjournalist Matthias Friebe.

Aktuell sind noch zwei Städte im Rennen:

  • Stockholm – aber da will der Stadtrat keine Steuergelder für Olympische Winterspiele ausgeben
  • Mailand mit Cortina d’Ampezzo – auch das ist sehr fraglich

Beide sind Wackelkandidaten. Heißt: Eigentlich gibt es keine Städte, die sich um die Spiele beim IOC bewerben möchten.

Buenos Aires hat zwar vorsichtig Interesse bekundet, ist aber hoch verschuldet - und nicht so schneesicher. Deshalb standen schon Ideen im Raum, die Schneesportarten in Feuerland auszutragen. Das ist 3000 Kilometer entfernt und unter klimatischen Gesichtspunkten keine gute Idee.

Auch Klimafragen spiele eine Rolle

Weil die sichere Schneefallgrenze aufgrund des Klimawandels immer weiter gestiegen ist, wird auch das zum Problem – und zu einer Kostenfrage. Denn wo kein Schnee fällt, müssen Schneekanonen und Beschneiungsanlagen angeschafft werden. 

Auch das IOC hat das Problem erkannt und die "ominöse Agenda 2020" auf den Plan gebracht, sagt Matthias Friebe. Darin ist festgeschrieben, dass man kleiner und klimafreundlicher werden will. Bis jetzt ist von den Plänen allerdings noch nicht so viel angekommen. Ein Beispiel:

"Skisprungschanzen sind das, was man nach Olympischen Spiele am wenigsten braucht."
Matthias Friebe Deutschlandfunk Nova Sportredaktion

In der ganzen Historie der Olympischen Winterspiele werden von 12 gebauten Olympiaschanzen nur noch zwei genutzt. Und zwar die von 1994 in Lillehammer und die von 2006 in Turin. Alle anderen tauchen im Kalender der Skispringer nicht mehr auf. Auch die nicht, die für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang gebaut wurden.  

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