Tote und Verletzte und viele Motive: Eine Protestwelle hat den Iran erfasst. Wir haben mit unserer Nahost-Korrespondentin Karin Senz gesprochen.

Gegenwind sind die Mächtigen in Teheran gewöhnt: Von Saudi-Arabien, dem Erzrivalen in der Region, aus den USA, die damit drohen, den Atomdeal aufzukündigen. 

Nun protestiert die iranische Bevölkerung. Laut iranischem Staatsfernsehen sind bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften bereits neun Menschen zu Tode gekommen.

Lebensmittelpreise, Arbeitslosigkeit, Staatsführung

Die Proteste in der Islamischen Republik Iran dauern seit Donnerstag, den 28. Dezember, an.

  • Sie begannen in Maschhad, die zweitgrößten Stadt im Nordosten gilt als konservative Bastion
  • Zunächst ging es um hohe Lebensmittelpreise
  • Inzwischen sind die Motive politischer geworden (gegen Korruption, für Reformen)
  • Dazu kommt eine hohe Arbeitslosigkeit

Schließlich richteten sich die Proteste stärker gegen Staatspräsident Hassan Rohani - und gegen den obersten geistlichen Führer im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, der bei allen politischen Entscheidungen im Land das letzte Wort hat.

Es sind die größten Proteste im Iran seit der sogenannten "Grünen Revolution" im Jahr 2009 gegen den damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.

"Jetzt ist es so, dass da sehr viele einfache Menschen auf die Straße gehen. Die Basis ist sehr breit."
Karin Senz, Nahost-Korrespondentin

Reaktionen des Staates

  • Verhaftungen
  • Filmverbot
  • Drosselung des Internets und Netzfilter
  • Kontrolle von Online-Portalen

Facebook und Twitter sind bereits seit längerer Zeit gesperrt. Auch Instagram und der Messenger-Dienst Telegram sollen jetzt betroffen sein. 

Auch auf Grund dieser Einschränkungen ist eine  Einschätzung und Bewertung der Ereignisse im Iran - wenn überhaupt - nur mit Verzögerungen möglich.

"Den Überblick zu bekommen ist unglaublich schwer. Sind da nur ein paar Hundert auf der Straße, sind da Tausende auf der Straße?"
Karin Senz, Nahost-Korrespondentin

Eine Einschätzung der Lage am Morgen des 2. Dezember:

Adnan Tabatabai, Politikwissenschaftler und Iran-Experte
"Im Unterschied zu 2009 steht keine wirkliche politische Bewegung dahinter. Es ist eine sehr unkoordinierte, recht chaotische Szenerie im Moment."

Die Lage im Iran kann sich stündlich ändern. Aktuelle Informationen findet ihr bei den Dlf-Nova-Nachrichten und auf Dlf-24.de.