Im Iran können Frauen jetzt Fußballländerspiele der Herren besuchen. Jedoch mit einigen Einschränkungen. Und erst nach dem Tod einer jungen Frau in Teheran.

Seit 2018 dürfen Frauen in Saudi-Arabien Fußballspiele der Männer besuchen. Der Iran hielt als letztes Land bisher am Stadionverbot für Frauen fest - trotz großer Proteste. Erst durch den Tod einer jungen Frau hatte die FIFA den Druck erhöht.

Dabei geht es um die 29-Jährige Sahar Khodayari: Sie wollte als Mann verkleidet ein Ligaspiel in Teheran besuchen. Sie wurde jedoch enttarnt und sollte mit sechs Monaten Gefängnis bestraft werden. Vor Gericht (02.09.2019) zündete sich die junge Frau an und starb wenige Tage später. Als "Das blaue Mädchen" wurde sie zum Symbol der Protestbewegung.

Bewegung durch öffentlichen Druck

Laut FIFA-Statuten ist die Diskriminierung von Frauen verboten. Wird dagegen verstoßen, drohen Sanktionen. In diesem Fall könnten das auch den Ausschluss von der WM zur Folge haben. "Für den Iran wäre das katastrophal", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Niklas Potthoff.

Nun sollen Frauen zumindest bei Länderspielen zuschauen dürfen - allerdings unter vielen Bestimmungen. Sie sollen mit eigenen Bussen anreisen, durch separate Eingänge ins Stadion gelangen und auf Extrabühnen sitzen. Außerdem muss das Stadion noch um Frauen-Toiletten erweitert werden.

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© Imago | Matthias Koch
Unterstützung für die Proteste gibt es auch in deutschen Fußballstadien

Zum ersten Mal soll durch die neue Regelung Frauen der Zugang beim Länderspiel gegen Kambodscha am 10. Oktober möglich sein. Bisher durften nur einmal 100 ausgewählte Frauen, zumeist Angehörige der Spieler, bei einem Länderspiel im letzten Jahr anwesend sein. Beim Spiel gegen Kambodscha umfasst das Ticketkontingent dann 1400 Karten für Frauen - bei einer Platzkapazität von 100.000. Das Argument: Man rechne bei diesem Spiel nur mit 10.000 Zuschauern.

Riesiges Stadion, wenige Karten

Dass am allgemeinen Stadionbesuch - also auch in der iranischen Liga - gerüttelt wird, ist kaum in Sicht. Und das obwohl auch der Sportminister Masoud Soltanifar und die Regierung von Ruhani sich für eine Aufhebung ausgesprochen haben, erklärt Niklas. Das liegt am Einfluss der erzkonservativen Kleriker.

So gibt es zwar eine Frauen-Fußballmannschaft, die mit Kopfbedeckung und langer Kleidung spielt und bei deren Spielen Frauen zuschauen können. Den Besuch eines Männer-Fußballspiel sehen sie jedoch als "vulgäres Umfeld" für Frauen. Das Problem: Die Zustimmung der Kleriker ist notwendig für Aufhebung des Verbots.

Theoretisch könnte die FIFA sich auch in das Thema der iranischen Fußballliga einschalten, sie greift jedoch selten in die Souveränität der Verbände ein. 2006 hatte die FIFA Iran schon einmal suspendiert, weil die Regierung iranischen Fußball-Verbandspräsidenten eigenmächtig abgesetzt hatte. Dies wurde später jedoch aufgehoben.